Chinas Küche soll Teil des UNESCO-Weltkulturerbes werden

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29.06.2015 Peking – China besitzt seit jeher eine reiche Esskultur, viele Gerichte sind berühmt und Teil des nationalen immateriellen Kulturerbes. Der Appetit auf die schmackhaften Delikatessen ist jüngst durch „A Bite of China“, eine populäre Fernsehserie über Chinas vielseitige Esskultur, im In- und Ausland erneut geweckt worden.

Auch wenn die bekanntesten Gerichte Gourmets in Begeisterung versetzen, hat es keines auf die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft. Bis jetzt.

Es gibt aber andere Landesküchen, die die begehrte Auszeichnung gewonnen haben. Die französische Küche mit ihren mehrgängigen Menüs, ihrer Präsentation und ihren traditionsreichen Ritualen schaffte es 2010 als einer der ersten Bewerber auf die Liste.  Ebenfalls auf der kulinarischen Ehrenliste stehen die mexikanische Küche, die mediterrane Küche Zyperns und das südkoreanische Kimchi, ein gewürztes Gemüsegericht, einschließlich Kimiang, der Art seiner Zubereitung. Auch Washoku, der traditionellen japanischen Küche, sowie der kroatischen und türkischen Küche wurde bereits diese Ehre zuteil.

Im März starteten Ernährungsexperten einen neuen Versuch, um ebenfalls auf die Liste zu gelangen. Bis Ende des Jahres werden sie erfahren, ob ihre Bewerbung erfolgreich war.


Den ersten Versuch, weltweite Anerkennung für die chinesische Küche zu gewinnen, gab es 2011, er blieb erfolglos. Feng Enyuan, Generalsekretärin der China Cuisine Association (CCA), erläutert das Problem. Es sei sehr schwierig ein Gericht auszuwählen, das die gesamte chinesische Essenskultur repräsentiere. „Chinas lange Geschichte, die riesige Fläche des Landes, der intensive Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen haben zur Entstehung einer unverwechselbaren Kochkunst geführt“, erklärte Feng. „Daher ist es nicht leicht, international dafür zu  werben.“

Chinas Küche umfasst verschiedene Regionalküchen sowie die Küche der Auslandschinesen. Die Geschichte der chinesischen Küche reicht tausende von Jahren zurück. Sie hat sich von Epoche zu Epoche und von Region zu Region verändert, wurde vom Klima, kaiserlichen Modeerscheinungen und örtlichen Vorlieben beeinflusst. Die acht traditionellen Regionalküchen Chinas haben ihren Ursprung in Anhui, Guangdong, Fujian, Hunan, Jiangsu, Shangdong, Sichuan und Zhejiang.

Warum aber steht Chinas kulinarische Kultur nicht auf der Kulturerbeliste? „Als Kimchi in die Liste aufgenommen wurde, gab es eine Menge Diskussionen“, erklärt Bian Jiang, stellvertretender Direktor der CCA.  „Es hieß, dass es nicht nur um das Gericht Kimchi, sondern auch um die damit verbundenen Gebräuche und Besonderheiten ginge. Das haben wir aus erfolgreichen Bewerbungen gelernt.“

Nach Angaben von UNESCO-Experten schaffte es Kimchi wegen seiner großen Rolle, die es im Leben der Menschen und in der Gesellschaft spielt, der verschiedenen Zubereitungsarten und der Art, wie es gegessen wird, auf die Liste. Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft verbessern sich, dadurch dass Menschen Kimchi teilen, es sorgt für ein Gefühl der Solidarität und Freude.

Ausgehend vom Erfolg des Nachbarlandes habe die CCA diesmal ihren Schwerpunkt vom Essen auf damit verbundene immaterielle Elemente verlagert, erklärt Bian, dazu zählen Kochkunst, verschiedene regionale Küchen, Essstile sowie Hintergrundgeschichten zum Essen und der Kultur, für die es steht.

Frankreichs Esskultur wurde von der UNESCO als „ein sozialer Brauch zur Feier der wichtigsten Momente im Leben einer Person oder Gruppe, wie Hochzeiten, Geburtstage etc.“ beschrieben.

Die Landesküchen, die Eingang in die UNESCO-Liste gefunden haben, betonen vor allem die kulturelle Identität, erklärte Cheng Xiaomin, stellvertretender Generalsekretär der CCA. Essen verkörpert das Leben der Menschen – es ist eine Verbindung von Familienleben, Bräuchen und Ritualen.

Die gegenwärtige Bewerbung um die Aufnahme in das Weltkulturerbe setzt ihre Schwerpunkte in drei Kategorien. Sie weist auf traditionelle Zubereitungstechniken hin wie besondere Schneidetechniken, einer der wichtigsten Bestandteile der chinesischen Kochkunst. An zweiter Stelle stehen mit dem Essen verbundene Bräuche. Zum Beispiel, dass Chinesen an einem runden Tisch essen und zum Frühlingsfest Teigtaschen verzehren. Bei der dritten Kategorie handelt es sich um Erfolgsgeschichten zum Schutz des kulinarischen Erbes Chinas, wie etwa die Kunst, reifen Essig aus Hirse herzustellen, eine Besonderheit aus der Provinz Shanxi.

Der Antrag, die chinesische Küche ins UNESCO-Welterbe aufzunehmen, sei auch durch die Tatsache motiviert, dass Akupunktur und Moxibustion, zwei Elemente der traditionellen chinesischen Medizin, bereits auf der Liste stehen, erklärte Bian . Daher begann die Bewerbung diesmal mit den Geschichten und sozialen Bräuchen rund um das Essen und die Kultur, die es vertritt.


Im Zeitalter der Globalisierung ist die Esskultur ein Zeichen für die Macht der kulturellen Kommunikation. „Ob wir Erfolg haben oder nicht, für uns ist die Bewerbung eine gute Gelegenheit, chinesische Esskultur im Ausland zu promoten und bekannter zu machen“, so Bian.

Um weltweit für chinesische Küche zu werben, wurden die Namen von 800 bekannten chinesischen Gerichten, einschließlich der Grundnahrungsmittel, von der CCA ins Englische übersetzt.

Für Dong Keping, gastronomischer Berater für „A Bite of China“, ist der Versuch, in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen zu werden, ein großer Fortschritt zur weltweiten Förderung der chinesischen Küche. Chinatowns im Ausland würden immer noch die allerbilligsten Gerichte auftischen, die kein wirkliches Abbild der reichen Esskultur Chinas seien. Sobald die chinesische Küche auf der UNESCO-Liste stehe, werde die chinesische Lebensmittelbranche im Ausland bessere Entwicklungschancen haben.

Essen ist ein Teil der chinesischen Kultur, erklärte Zhao Hui, Betreiber mehrerer chinesischer Restaurants in Neuseeland, laut einem Onlinebericht von China Radio International. Wenn es die chinesische Küche auf die Liste schafft, wird auch ein engeres kulinarisches Band mit den chinesischen Communitys im Ausland entstehen. Das Bewusstsein der Gesellschaft für die chinesische Küche würde außerdem gestärkt.

„Es ist nicht nur eine Gelegenheit, der Welt, die chinesische Kultur zu präsentieren, sondern auch für traditionelles Essen zu werben“, sagte Bian. „Die UNESCO-Bewerbung kann die Erhaltung und Verbreitung traditioneller Zubereitungstechniken fördern. Das ist ihr Hauptziel.“ (german.beijingreview.com)

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