China droht längere Taifunsaison

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28.07.2015 Peking – Heftige Unwetter haben in diesem Jahr schon mehrere Großstädte auf dem chinesischen Festland unter Wasser gesetzt. Und es könnte noch schlimmer kommen. Grund ist der El-Niño-Effekt.

In der ersten Julihälfte wurden weite Teile Süd- und Ostchinas von Taifunen heimgesucht. Laut den Meteorologen muss sich die Volksrepublik in diesem Jahr auf weitere und noch stärkere Taifune gefasst machen. Grund für die längere Taifunsaison in diesem Jahr ist das Wetterphänomen El Niño, das durch die Erwärmung der Meerestemperatur im Pazifik entsteht und die Windverhältnisse beeinflusst.

Ding Yihui von der Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen schließt nicht aus, dass El Niño das Wetter in China bis ins nächste Frühjahr hinein mitbestimmen wird. Das nach dem Christuskind benannte Wetterphänomen kann heftige Regenfälle in Südchina verursachen und im Norden des Landes zu Dürren führen.

El Niño gilt als Ursache für die massiven Überschwemmungen entlang des Jangtse sowie der beiden Flüsse Songhua und Nenjiang im Jahr 1998. Mehrere Tausend Menschen kamen damals ums Leben. Laut Ding, der das Nationale Amt für Meteorologie in Klimafragen berät, werden die Auswirkungen von El Niño in diesem Jahr jedoch nicht ganz so extrem sein.

Auf jeden Fall aber wird das Wetterphänomen mit Ursprung im Pazifik den Verlauf und die Intensität der Taifune in China beeinflussen. „Die Taifune werden von weiter südlich im Ozean kommen und intensiver sein“, erklärte Ding an einer Medienorientierung am Montag.

Nach Einschätzung von Ding ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es infolge von El Niño im August und September entlang des Songhua und des Nenjiang im Nordosten des Landes zu schweren Überschwemmungen kommen wird.

Während eines El-Niño-Jahres bilden sich Taifune typischerweise im Südchinesischen Meer. Gemäß Duan Yihong, dem Präsident der Chinesischen Akademie für Meteorologie, hat die Niederschlagsmenge, die durch einen einzigen Taifun verursacht wird, in den letzten zehn Jahren markant zugenommen.

Dasselbe gilt für die Häufigkeit von extremen Wettersituationen in den städtischen Gebieten Chinas. Ding führt diesen Anstieg auch auf den rasanten Urbanisierungsprozess der letzten Jahre zurück. „Die Niederschläge in den urbanen Gebieten werden immer intensiver“, warnt Ding. „Wegen des ’städtischen Wärmeinseleffekts‘ sind sie jetzt schwieriger zu prognostizieren.“

Der Wärmeinseleffekt ist ein typisches Phänomen des Stadtklimas. In urbanen Ballungsräumen sind im Vergleich zur ländlichen Umgebung bodennah höhere Lufttemperaturen zu beobachten. Diese Überwärmung wird als städtische Wärmeinsel bezeichnet.

Heftige Niederschläge haben in diesem Jahr bereits zu schweren Überschwemmungen in den Metropolen Shanghai, Wuhan und Nanjing geführt.

Doch auch viele andere Großstädte sind vor Hochwasser nicht ausreichend geschützt. Zhang Jiatuan vom Amt für Hochwasserschutz und Dürrebekämpfung hat schon im Mai darauf hingewiesen, dass 300 von Chinas 657 Städten die nationalen Hochwasserschutzkriterien nicht erfüllen. 90 Prozent der älteren Stadtteile genügen laut Zhang nicht einmal den Minimalanforderungen des Hochwasserschutzes (german.people.cn)

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