Interview mit dem Generalkonsul Herrn Sun Congbin

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29.08.2015, Hamburg

Fragen an den Generalkonsul der VR China in Hamburg Herrn Sun Congbin

1) Herr Generalkonsul, Sie sind seit gut zwei Monaten in Hamburg als Vertreter Ihres Landes. Haben Sie sich bereits eingelebt?

Es ist für mich überhaupt kein Problem, mich in Hamburg einzuleben. Vor 25 Jahren habe ich schon einmal in Hamburg gearbeitet. Meine diplomatische Karriere hat hier angefangen. Ich habe schon in mehr als 10 Städten gearbeitet, außer Beijing gibt es nur Hamburg, wo ich zum zweiten Mal gearbeitet habe. Ich fühle mich sehr verbunden mit der Stadt Hamburg.

2.) Sie haben im Hamburger Schauspielhaus das chinesische Theaterstück „Das Teehaus“ gesehen. Wie hat Ihnen das Stück gefallen?
Das Theaterstück „Das Teehaus“ spiegelt die politische und gesellschaftliche Umwandlung ein halbes Jahrhundert vor der Gründung der VR China wider. In dieser Zeit wechselten die Machthaber ständig, aber die Menschen in den unteren Schichten der Gesellschaft führten unverändert ein elendes Leben weiter. Die damaligen Intellektuellen, einschließlich des Schriftstellers Laoshe, versuchten einen Ausweg für die normalen Bürger zu finden. Die Künstler des Kunsthauses des Volkes in Beijing haben uns durch ihre exzellente Schauspielkunst diese interessante Geschichte wiedergegeben. Manche Künstler haben das Stück schon mehr als zweihundertmal gespielt, aber sie bereiten das Spiel immer wie zum ersten Mal vor, was mich sehr beeindruckt.

3.) Sollten nicht die kulturellen Austauschprogramme zwischen unseren Ländern erweitert werden? Ich denke dabei mehr an das moderne Theater, Gegenwartskunst, Tanz – mit Choreographien wie die von Pina Bausch oder John Neumeier. Auch in Ihrem Lande gibt es Avantgardisten.
Natürlich sollte der Austausch im Kultur- und Kunstbereich noch erweitert werden. Kultur- und Kunstaustausch fördern immer die Völkerverständigung und auch die Freundschaft zwischen den Völkern verschiedener Länder. Als sehr wichtiger Bestandteil der deutschen und chinesischen Beziehungen spielt dieser Austausch stets eine bedeutsame und einzigartige Rolle. Die deutsche und chinesische moderne Kunst einschließlich moderne Musik, Tanz und Theater können sich gegenseitig komplementieren und bereichern. Die chinesische Avantgarde-Kunst z.B. hat eine relative kurze Geschichte und kann sehr viel von der deutschen Seite lernen. Aber es gab inzwischen auch chinesische moderne Theater Aufführungen im Thalia Theater, z.B. „Bernstein“. Das repräsentative Avantgarde-Theater Stück hat auch bei dem deutschen Publikum große Resonanz gefunden. Als neuer Generalkonsul der VR China in Hamburg werde ich den Austausch und die Zusammenarbeit in diesem Bereich unterstützen.

4.) Wo setzen Sie bei Ihrer Arbeit als Generalkonsul in Hamburg Schwerpunkte?
Meine wichtigsten Aufgaben liegen darin, die Beziehungen zwischen China und dem Konsularbezirk allseitig voranzubringen, die Menschen hier über die neue und wichtige Politik Chinas zu informieren und das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Seiten zu fördern.

5.) Neben der Botschaft in Berlin gibt es weitere Vertretungen Ihres Landes in München und Frankfurt. Worin unterscheiden sich diese Einrichtungen?
Wir sind alle Vertreter der chinesischen Regierung. Die Botschaft kümmert sich hauptsächlich um die Beziehungen zu der deutschen Bundesregierung in Berlin. Die Konsulate beschäftigen sich mit den Beziehungen im jeweiligen Konsularbezirk. Unser Konsularbezirk umfasst die Bundesländer Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Natürlich koordiniert die Botschaft die Arbeit aller diplomatischen Vertretungen aus China. In Hamburg gibt es die größte chinesische Gemeinde und die meisten chinesischen Firmen; beim Aufbau der neuen und maritimen Seidenstraße wird Hamburg eine führende Rolle spielen. Frankfurt ist eine Drehscheibe für die Chinesen, die nach Europa kommen. München pflegt wegen der besonderen Rolle Bayerns in vielen Bereichen gute Beziehungen mit China.

6.) Immer mehr chinesische Touristen kommen nach Deutschland. Welche Ratschläge würden Sie Ihren Landsleuten mit auf den Weg geben?
In Deutschland gibt es zahlreiche atemberaubende Sehenswürdigkeiten, die eine sehr starke Anziehungskraft auf die chinesischen Touristen.ausüben. Andere Länder, andere Sitten. Ich hoffe, dass meine Landsleute deutsche Sitten verstehen und respektieren. Außerdem möchte ich unsere Landsleute hier daran erinnern, während der schönen Reise auf die eigene Sicherheit zu achten. Das Generalkonsulat wird bei jedem Notfall die besten konsularischen Leistungen zur Verfügung stellen.

7.) Umgekehrt: Was sollten deutsche Besucher in China besonders beachten?
China ist ein sehr großes Land mit Vielfalt und hat selbstverständlich kulturelle Unterschiede im Vergleich zu Deutschland. Deswegen gibt es da viele Sachen, die für die deutschen Touristen gewöhnungsbedürftig sind. Deshalb möchte ich den Besuchern vorschlagen, dass man sich immer eine Flexibilität und Offenheit für Neues erhalten soll, um mehr Spaß im Land zu haben.

8.) Als Diplomat führen Sie ein unstetes Leben. Wie lassen sich Beruf und Familienleben vereinbaren?
Ich habe schon in 6 diplomatischen Vertretungen Chinas gearbeitet. Ich muss ständig meinen Wohnsitz wechseln, das ist schon umständlich. Als Diplomaten müssen wir uns daran gewöhnen. Zum Glück arbeitet meine Frau auch im Außenministerium. Sie darf bei uns in derselben diplomatischen Vertretung arbeiten. Natürlich ist das für meinen Sohn gewöhnungsbedürftig, weil er immer neue Schulen besuchen und neue Freunde suchen muss.

9.) An welchen Ihrer bisherigen Tätigkeitsbereiche haben Sie eine besonders gute Erinnerung?
In vielen Abteilungen der chinesischen diplomatischen Vertretungen habe ich gearbeitet, alle haben mir Spaß gemacht. Was mich besonders interessiert, ist die Konsularabteilung, weil dort jeden Tag viele neuen Gesichter auftauchen, dadurch auch viele interessante Gesprächsthemen zur Sprache kommen können.

10.) Im Märchen verspricht eine gute Fee drei Wünsche zu erfüllen. Stellen Sie sich vor, Ihnen begegnet eine solche Fee. Was wünsche Sie sich für die Zukunft?
Falls mir eine gute Fee begegnen würde, wünsche ich, dass sich die Beziehungen zwischen China und dem Konsularbezirk während meiner Amtszeit in Hamburg gut entwickeln. Und alle Menschen, die ich kenne oder die das Interview lesen, gesund bleiben und viel Erfolg bei der Arbeit erzielen.
DCA: Da Generalkonsul Herr Sun Congbin nur zwei Wünsche ausgesprochen hat, dürfen wir ihm und seiner Familie für die Zukunft Erfolg, Zufriedenheit und Gesundheit wünschen.
(Helga von der Nahmer)


Einen Vortrag zur aktuellen wirtschaftlichen Lage in China von Sun Congbin finden Sie hier.

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