Chinesische Botschaft: Große Gedenkveranstaltung 70 Jahre Sieg Chinas gegen Japan

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Das Foto zeigt v.l.n.r. Moderator Ederer, Dr. Morrek, Botschafter Shi Mingde, Professor Sandschneider, M. Ruhland und DDR-Botschafter a.D. Berthold
Das Foto zeigt v.l.n.r. Moderator Ederer, Dr. Morrek, Botschafter Shi Mingde, Professor Sandschneider, M. Ruhland und DDR-Botschafter a.D. Berthold

7.9.2015, Berlin – Nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt war am 3. 9. der große Kinosaal in der chinesischen Botschaft am Märkischen Ufer in Berlin. Shi Mingde, Botschafter der VR China in Deutschland, hatte zu einer Gedenkveranstaltung „70 Jahre Sieg des Kampfs Chinas gegen die japanische Aggression“ eingeladen. Den Auftakt bildete eine 90minütige Übertragung der großen Militärparade in Beijing. Eigentliches Herzstück der Veranstaltung bildete anschließend eine durch den Journalisten Günter Ederer moderierte zweistündige Podiumsdiskussion zu der Bedeutung der Rolle Chinas zum Ausgang der 2. Weltkrieges, an deren Beginn Impulsvorträge der einzelnen Teilnehmer standen. Botschafter Shi Mingde  erinnerte daran, dass in den USA und in Europa oft die Rolle des langjährigen chinesischen Widerstandskrieges von 1931 bis 1945 übersehen werde. China habe das Opfer von 35 Mio. Toten und wirtschaftlichen Verlusten in Höhe von 600 Mrd. USD erbracht. Ziel der Veranstaltung sei es, dies mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Zugleich erinnerte der Botschafter an die Rolle des Siemens Managers John Rabe als „guter Deutscher von Nanjing“, die leider weder durch die Westalliierten noch durch das Nachkriegs-Deutschland eine angemessene Würdigung erfahren habe. Der frühere DDR-Botschafter in Beijing, Rolf Berthold, skizzierte den Verlauf des 2. Weltkrieges in China („Der chinesische Widerstandskrieg und seine Rolle im 2. Weltkrieg“). Über „Dr. Hans Müller 1915 – 1994  –  Ein deutscher Arzt in China“ sprach Michael Ruhland, 2. Vorsitzender der Gesellschaft für die Deutsch-Chinesische Freundschaft Düsseldorf. Er beschrieb die Spurensuche nach dem Leben des mit einer Japanerin verheirateten Arztes aus Düsseldorf, der mit mannigfaltigen Hilfsaktionen und der Versorgung von Verwundeten chinesischen Kriegsopfern geholfen hat. Die „Aufarbeitung der deutschen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg“ betrachtete Professor Dr. Eberhard Sandschneider, Otto-Wolff-Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Er konstatierte den durch den Botschafter bereits bedauerten Eurozentrismus in der Geschichtsbetrachtung. Der 2. Weltkrieg habe weder am 1.9. begonnen noch am 8.5. geendet. Aus europäischer Sicht sei es nicht angebracht, für Japan und China Aufarbeitungsempfehlungen zu geben. Die Ausgangslage sei gravierend unterschiedlich. Wichtig sei es, dass beide Seiten es wollten und auf beiden Seiten entsprechende Persönlichkeiten am Werk seien wie bei der deutsch-französischen Verständigung. Die Lektionen von Europa seien jedenfalls nicht nach Asien transferierbar, zumal es sich bei China und Japan um strategische Wettbewerber handele. Was den Verlauf des Krieges selbst angehe, dürfe man neben der KPCh auch nicht die Rollen der Guomindang und der USA übersehen. Der Direktor des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst, Dr. Jörg Morrek, wies auf die Hintergründe der langen Neutralität der Sowjetunion im asiatischen Raum hin. Ihr sei es darum gegangen, sich den Rücken frei zu halten im Kampf gegen das Dritte Reich. Folglich sei es zu einem Eingreifen der Sowjetunion erst nach ihrem Sieg gegen Deutschland gekommen. Diese Phase des Krieges, namentlich den Atombombenabwurf über Nagasaki, werde von manchen Stimmen bereits als Beginn des Kalten Krieges fixiert. In der anschließenden Podiumsdiskussion bestand Konsens darüber, dass eine wesentlich stärkere Würdigung der Rolle Chinas in Europa für den Ausgang des 2. Weltkrieges angezeigt sei. Den Schlusspunkt der Veranstaltung bildete am späten Abend eine Filmvorführung über das Leben des bereits genannten Siemens-Managers John Rabe.

(bo)

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