„Caili“ ist große Last für heiratswillige Männer

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25.11.2015, Beijing – „Caili“, oder das Verlobungsgeschenk, das ein Mann üblicherweise der Familie der Braut schenkt, ist für heiratswillige Männer eine starke finanzielle Belastung geworden. Ein Gericht in Lu’an in der Provinz Anhui hat kürzlich einen Fall verhandelt, in dem das Verlobungsgeschenk in Höhe von 120.000 Yuan (17.700 Euro) an die Eltern des Mannes zurückgegeben werden sollte, nachdem dieser Selbstmord begangen hatte. Der junge Mann in Houqiu, einem von Armut geplagten Bezirk in der Provinz Anhui, setzte im Februar seinem Leben ein Ende, indem er von einem Gebäude sprang, nachdem er „Caili“ an die Familie seiner Braut gezahlt hatte.

Dass jemand Selbstmord begeht, weil er nicht in der Lage ist, die finanzielle Last der Hochzeit zu stemmen, mag ein Einzelfall sein. Es gab jedoch vereinzelt Berichte in den Medien, bei denen die künftigen Bräutigame gewalttätige Konfrontationen mit ihren Schwiegereltern hatten. Dabei ging es um die riesigen Geldsummen, die die Schwiegereltern als „Caili“ forderten.

Gemäß chinesischem Brauch bietet ein Mann oder seine Familie den Eltern der Frau nach der Verlobung eine angemessene Geldsumme oder Geschenke an. Sie sollen als Ausgleich (oder „Caili“) für die Erziehung ihrer Tochter dienen. „Caili“ selbst ist ein Begriff, der die Wertschätzung der Brauteltern ausdrückt, die ihre Tochter heiraten lassen. Es gab nie eine Grenze für die Summe, die dabei gezahlt wurde. Es hing im wesentlichen von den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen des künftigen Bräutigams oder seiner Familie ab.

Diese Tradition hat sich aber geändert. „Caili“ hat sich mehr zu einer kommerziellen Transaktion entwickelt. Die Eltern einiger künftiger Bräute verlangen maßlos überzogene Geldsummen und wertvolle Geschenke als „Caili“.

Das Internet ist voll von unterschiedlichen Summen, die ein heiratswilliger Mann zu zahlen hat. Obwohl einige Postings die Kosten übertreiben, zeigen sie doch die unbarmherzige Tatsache, dass sich chinesische Männer, die in den Hafen der Ehe einlaufen wollen, riesigem wirtschaftlichen Druck gegenüber sehen.

Seit von einem heiratswilligen Mann generell erwartet wird, dass er ein Haus besitzt, klagen Männer in großen chinesischen Städten wie Beijing, Shanghai und Shenzhen, in denen die Immobilienpreise sehr hoch sind, oft, gar nicht an Heirat denken zu können, weil sie es sich nicht leisten können, ein Haus zu kaufen. Schon die Bedingung, ein Haus zu besitzen, ist ein unüberwindliches Hindernis für durchschnittliche Männer. Dazu kommen weitere Bedingungen, wie Autos, Schmuck und riesige Geldsummen als „Caili“.

Als Zeichen der Dankbarkeit und als Achtung chinesischer Traditionen ist ein Mann gerne bereit, eine angemessene Geldsumme als „Caili“ an seine Brauteltern zu zahlen. Die übertriebenen Ansprüche an „Caili“ jedoch haben diese chinesische Tradition in eine kommerzielle Praxis verwandelt, und das ist eine Schande.

Wenn künftige Brauteltern weiterhin sogar noch höhere Geldsummen als „Caili“ fordern, werden sie es Männern noch schwerer machen, zu heiraten. Es gibt bereits viele Männer, die wegen des Geschlechterungleichgewichts keine Lebenspartnerin finden.

Um den Auswirkungen der schnell alternden Gesellschaft entgegenzuwirken, hat China beschlossen, allen Paaren zu erlauben, zwei Kinder zu haben. Die wachsende Forderung nach immer höheren Summen als „Caili“ bleibt jedoch weiterhin ein wirkungsvolles Abschreckungsmittel für Paare, ein zweites Kind zu bekommen, weil eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass das Neugeborene ein Junge sein wird.

(german.china.org.cn)

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