Geschichte der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Qingdao und Deutschland. Teil 3

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Den Wunsch nach qualifiziertem Personal zu erfüllen, dazu möchte Professor Li Qingling von der Qingdao University of Science and Technology beitragen. Bereits heute kooperiert seine Universität mit Hochschulen in Deutschland, allein rund 1000 Studenten halten sich derzeit in der Bundesrepublik im Rahmen von Promotionsstudiengängen und Forschungsprojekten auf. Die Pläne gehen aber viel weiter und zielen auf die Gründung einer deutsch-chinesischen Hochschule mit Standort Qingdao. Angedacht ist dabei die Schaffung eines dualen Studiengangs, der es den Absolventen ermöglicht, zugleich einen deutschen und einen chinesischen Studienabschluss zu erlangen. Der notwendige Umbau des chinesischen Wirtschaftsmodells, so zeigte sich Professor Li überzeugt, sei nur machbar mit mehr und besser ausgebildeten Fachkräften.  

Der Universitätsmann wies auf die erst vor wenigen Wochen veröffentlichte China-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) 2015-2020 hin. Darin ist die Rede von einem erheblichen Anstieg der finanziellen Mittel, die für Kooperationsaktivitäten mit und in China aufgebracht werden. Waren es 2002 knapp 7 Mio. Euro, so wurden 2013 bereits 21 Mio. investiert, wobei mehr als die Hälfte auf Maßnahmen in den Bereichen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit entfiel, “gefolgt von Aktivitäten im Zusammenhang mit der Berufsbildungskooperation, der Bioökonomie und -technologie, den Geistes- und Sozialwissenschaften und der Elektromobilität.” 

Aber der Wissenstransfer ist keine Einbahnstraße, das Know-how liegt oft, aber längst nicht mehr ausschließlich in Deutschland:  

“Da zu erwarten ist, dass China in vielen Schlüsseltechnologien in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren zur Weltspitze aufschließen wird (bzw. dies teilweise schon geschehen ist), sollte die Entwicklung in China in diesen Bereichen genau verfolgt werden. Hierzu sind auch Forschungskooperationen ein geeignetes Mittel. Diese sollten dort durchgeführt werden, wo Kenntnisse des chinesischen Marktes erworben, die deutsche Forschung und Wissenschaft von dem in China vorhandenen Know-how bzw. den Forschungskapazitäten und -infrastrukturen profitieren oder Innovationspotenziale und Absatzchancen für die deutsche Wirtschaft erschlossen werden können. Bei Technologien und Dienstleistungen kann eine Kooperation entlang der Wertschöpfungskette,  

z.B. mit chinesischen Anwendern oder Endkunden, bzw. die Umsetzung von Projekten auf Anwendungsebene zur Realisierung lokaler Lösungen sinnvoll sein.” 

Das Konzept des Qingdaoer Ökoparks entspricht haargenau der Stoßrichtung des ministeriellen Strategiepapiers. 

Zauberwort Elektromobilität 

In Sachen Elektromobilität hat China Deutschland bereits hinter sich gelassen. Zumindest was die Zahl der ca. 160 Mio. Elektrozweiräder betrifft, die derzeit umweltschonend auf den Straßen der Städte unterwegs sind. 40 Prozent dieser Räder sind E-Bikes, allerdings ist anders als in Europa die Lithium-Batterie als Antriebsmittel noch keineswegs flächendeckend im Einsatz. Für das von Till Dittkrist, Chef der Qingdaoer Niederlassung der Far Eastern Consulting, vorgestellte Zentrum für neue Mobilität mit Sitz im Ökopark bleibt also noch viel zu tun, vor allem, weil nicht nur zwei Räder bewegt sein wollen. Im Jahre 2011, so Dittkrist, seien weltweit 20 Prozent des gesamten Energieaufkommens in den Transportsektor geflossen, der zu 95 Prozent mit fossilen Brennstoffen betrieben wurde. Für die USA als riesigem Flächenstaat ähnlich Chinas lassen sich die Ziffern 30 Prozent beziehungsweise 93 Prozent nachweisen. In China wird der Transport zwar auch zu 92 Prozent durch den Einsatz von Erdöl geleistet, der Anteil des Transportwesens am gesamten Energieverbrauch beträgt aber nur 9 Prozent. Schon allein aus ökologischen Gesichtspunkten ist es wünschenswert, dass der erwartete Anstieg des Logistiksektors durch umweltfreundliche Technologie abgedeckt wird.  

Forschungszentrum, Trainingsareal, Pilotpunkt, Netzwerk- und Ausstellungsplattform sind die Stichworte, unter denen das New Mobility Centre Qingdao antritt, um sich als Marketing-Faktor in Sachen umweltfreundlicher Fortbewegung zu empfehlen. 

Im Chinesisch-Deutschen Ökopark wird Zukunftsmusik gespielt. Es sind jedoch die Hits einer nahen Zukunft. Man kann ihr schon heute in die Karten gucken, denn es gibt ein Zeichen der Zeit, das Anlass zu schwungvollstem Optimismus gibt: im April 2016 wird hier das IntercityHotel der Steigenberger-Kette mit 193 Zimmern, zwei Restaurants, einem Café und einem Swimmingpool eröffnet. Die Aussichten auf die Belegung der Gästebetten und damit auf die Belebung des Ökoparks sind also robust, das dürfte die Machbarkeitsstudie der Hoteliers sicherlich ergeben haben! (Beijing Rundschau, von Matthias Mersch)

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