Chinas Auslandstourismus 2.0: Chancen und Herausforderungen für China und die Welt

0
1518

07.01.16, Peking – Wie ist der allgemeine Eindruck, den chinesische Touristen bei Ihnen hinterlassen haben? Eine Gruppe von Frauen in mittlerem Alter, die dem Reiseführer mit seinem Lautsprecher folgen, wie Entenküken ihrer Mutter? Oder Einkaufssüchtige, die Outlets- und Duty-free-shops unsicher machen?

In den Augen von Dr. Xiang Li, Dozent vom Institut für Tourismus und Hotelmanagement der Temple University, ist es höchste Zeit, diese Stereotypen zu überwinden.„Die heutige neue Generation chinesischer Auslandstouristen hat viel mehr Selbstvertrauen und Erfahrung, weil viele von ihnen Englisch oder andere Sprachen beherrschen. Sie haben über die Jahre einige Reise-Erfahrungen gesammelt, sodass sie leicht mit unterschiedlichen Situationen während der Reise umgehen können.“

In seinem vor kurzem erschienenen Buch, „Chinas Auslandstourismus 2.0″, lädt Dr. Xiang Li Wissenschaftler der ganzen Welt ein, diese wachsende Zahl erfahrener, preisbewusster und abenteuerlicher chinesischer Reisender zu untersuchen. Von der Entwicklung des Auslandstourismus über regionale Beobachtungen bis zu Fallstudien und Prognosen – Dr. Li versucht, ein umfassendes und detailliertes Panorama dieser aufgeblähten Industrie darzustellen.

Obwohl viele westliche Forscher die Meinung vertreten, der globale Reiseboom in China gleiche der Begeisterung für Überseereisen in Japan in den 1970er und 80er Jahren, sieht Li das Phänomen anders.„Zunächst ist es die Größe des Marktes und die Geschwindigkeit seines Wachstums. Ein weiterer Unterschied ist, wie schnell der Markt lernt, wie er durch kollektives Lernen müheloser und erfahrener geworden ist. In vieler Weise werden sie innerhalb kurzer Zeit zu anspruchsvollen und erfahrenen Reisenden, wahrscheinlich in nicht einmal zehn Jahren.“ Wie in vielen Staaten könnte das rasante Wachstum von Auslandstourismus in China dazu beitragen, die Globalisierung voranzutreiben, den Lebensstil zu ändern und Politiken zu unterstützen. Li betont jedoch, dass Technologie, insbesondere die Nutzung von sozialen Medien, eine andere Dynamik mit sich bringe.

„Sie teilen ihre Fotos und ihre Geschichten über die sozialen Medien. Ihre Freunde, Verwandten und sogar Fremde können von ihren Erfahrungen lernen. Dadurch gewöhnen sie sich an diese Denkweise, die normalerweise mit Reisezielen in der Nähe der Heimat beginnt. Anfangs reisen sie nach Hongkong und Macau, später in andere asiatische Länder. Sehr bald werden sich viele chinesische Touristen ziemlich wohl fühlen, an ferne und abgelegene Ziele zu reisen.“

Trotz einer steigenden Zahl von Ländern, die sich dem Trend anschließen, die spendierfreudigen chinesischen Besucher zu werben, warnt Dr. Xiang Li vor diesem übermäßigen Optimismus. „Auch wenn viele darüber sprechen, wie groß der Markt ist, sieht man bei genauerem Blick, dass es immer noch nur ein winziger Teil der chinesischen Bevölkerung ist, der tatsächlich aktiv im Ausland unterwegs ist. Das spiegelt sich durch die sehr geringe Anzahl von Reisepässen wider. In China sind das Wirtschaftswachstum, das Entwicklungsniveau und die Marktbedingungen verschiedener Regionen sehr unterschiedlich. Was wir sehen, ist also nur die Spitze eines Eisbergs. Bei einem Markt dieser Größe bleibt außerdem die Infrastruktur eine Herausforderung. Zum Beispiel in der Luftfahrtindustrie, kann die Infrastruktur dem genügen, wenn deutlich mehr chinesische Touristen fliegen wollen? Oder können wir nachhaltig mit dem Marktwachstum umgehen?“

Während viele Artikel das schlechte Benehmen chinesischer Touristen kritisieren, fordert Li Geduld, da diese neue Generation chinesischer Touristen, genau wie das Land selbst, sich in einem Transformationsprozess befinde.

„Selbst wenn wir nun über Chinas Auslandstourismus 2.0 sprechen, werden wir die Koexistenz von 1.0 und 2.0 noch für eine lange Zeit sehen. Während der Auslandstourismus in Beijing und Shanghai wahrscheinlich bereits gemeinsam ins Stadium 2.0 eingetreten ist, gibt es auf der anderen Seite kleinere Städte, deren Bürger gerade erst beginnen, ins Ausland zu reisen. Sie haben wahrscheinlich noch die 1.0-Mentalität. In Bezug auf 3.0, kann ich nichts sagen. Das wirklich spannende ist, wir sehen, wie sich dieses Massenphänomen direkt vor unseren Augen entwickelt.“ (CRI)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here