Konfuzius und die Liebe zum Lernen

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Viel von dem, das mit Konfuzius und seiner Lehre verbunden wird, hat damit nichts zu tun, sondern beruht auf alten gesellschaftlichen Strukturen. Anderes in seinen Lehren hat die spätere kulturelle Tradition Chinas für sich und ihre Gegebenheiten umgedeutet. Unstrittig ist, dass er der chinesischen Kultur die Liebe zum Lernen vermittelte. Ihr großer Lehrer wird Konfuzius demgemäß oft genannt.

Einmal sagte er (LY 15.30), er habe den ganzen Tag nicht gegessen und die ganze Nacht nicht geschlafen, um nachzudenken. Er meinte wohl das Herumgrübeln und fuhr fort: „Es hat nichts gebracht. Zu lernen ist besser.“ An anderer Stelle (LY 2.15) erklärte er sogar: „Nachzudenken, ohne zu lernen, ist gefährlich.“ Nichtig sei aber das Lernen, ohne nachzudenken. Hiermit meinte er ein Nachdenken über das Gelernte. In 43 der 500 Abschnitte der „Gespräche“ begegnet das Wort lernen (xue). Sie zeigen, dass es ihm nicht auf bloße Kenntnisse ankam, nicht bei Acker- und Gartenbau, schon gar nicht bei Militärischem und erst recht nicht mit dem Ziel, ein Gehalt zu bekommen. Sich erst einmal um die „Lieder“ und die „Sitte“ zu kümmern, rät er (LY 16.13) schnöde im Vorbeigehen seinem Sohn, also: die kulturelle Tradition zu lernen.

Andere Stellen zeigen, dass für ihn Lernen und moralorientiertes Verhalten zusammenhängen, doch er macht auch deutlich (LY 17.8), dass Tugendbolde, die nicht zusätzlich lernen, Schäden stiften, für sich und andere. Häuffig bringt er Lernen und die Liebe zu ihm mit dem Wort Wen zusammen, am klarsten als „zivile Kultur“ zu verstehen. Die Liebe zum Lernen sei deren Teil, meint er (LY5.14), und (LY 6.25): „Ein Edler hat umfassend die Kultur gelernt.“ Dabei beklagt er (LY 7.3), als guter Didaktiker, das Lernen ohne Erklärungen, und weiß ebenso (LY 15.3), dass Viellernen nicht ausreiche, sondern ein einigendes Band dabei unerlässlichsei.

Gegenwärtig erfreuen sich Schüler und Studenten hierzulande der Schul- und Universitätsferien. Nicht alle schätzen das Lernen hoch, denn in Zeiten des Internets sind Kenntnisse, wenn nötig, leicht herbeigegoogelt. Ähnliches bedachte auch Konfuzius schon, denn oft sprechen die „Gespräche“ von „umfassendem Lernen“ (bo xue). Erst solches erlaubt, bloße Kenntnisse in Zusammenhänge einzuordnen. Umfassende Aufgeschlossenheit verband er mit dem Lernen, und so war ihm auch das lebenslange Lernen nicht fremd. Noch als Fünfzigjähriger wandte er sich einem neuen Bereich dieser „zivilen Kultur zu, „lernte“ ihn. (Ausgabe 13)

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