Ringen um Geldgeschenke: Neue Tradition zum Frühlingsfest?

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08.02.2016, Peking – Geldgeschenke zum Frühlingsfest sind allseits beliebt – in der Vergangenheit genauso wie heute. Im Vergleich zu früheren Zeiten, in denen die Geldscheine in roten Umschlägen in bar überreicht wurden, hat sich einiges verändert. Maßgeblich dazu beigetragen haben in China Betreiber sozialer Medien, allen voran der Instantmessenger WeChat, die chinesische Variante von Whatsapp, und das Online-Shopping-Portal Alibaba.

Mit den ursprünglichen kommunikativen Funktionen des Instantmessengers steht dies allerdings in keinem Zusammenhang. Schon lange ist WeChat nicht mehr nur ein Mittel zum Chatten oder Posten von Beiträgen. Vielmehr verfügt die App auch über unzählige Extrafunktionen, zu denen Online-Zahl- und Überweisungsfunktionen, Online-Shopping und die Bezahlung von öffentlichen Gebühren gehören. Vergleichbare Funktionen weist auch Alipay auf – das chinesische Paypal-Pendant. Angesichts dieser Online- und Mobile-Optionen ist es keineswegs erstaunlich, dass auch Geldgeschenke auf elektronischem Wege überreicht werden.

Praktisch gesehen ist eine solche „Geschenk-Transaktion“ unkompliziert. Mithilfe der Smartphone-App wählt man einen virtuellen roten Briefumschlag („Hongbao“), gibt einen beliebigen Geldbetrag über umgerechnet zwei Euro an und „verschließt“ diesen. Als Empfänger kann sowohl eine bestimmte Person oder eine Personengruppe angegeben werden. Ist Letzteres der Fall, so beginnt mit dem Befehl „abschicken“ das Gerangel um den schnöden Mammon. Gleich einem Stück Fleisch in der hungrigen Meute versuchen die Mitglieder der bedachten Personengruppe auf virtuelle Weise einen Bissen für sich zu erhaschen. Dies ist allerdings neben einer regen Beteiligung auch dem Zufall zugeschrieben. Damit alle auf dem Laufenden bleiben, gibt eine Tabelle stets der aktuelle Stand an. Im Chat wird entsprechend gejubelt, beglückwünscht, verlacht und beneidet. Ganz gleich welche Summe ein Teilnehmer ergattert, freut er sich über den Zuwachs auf seinem Online-Konto. Wohl bekannt ist der Sucht-Faktor hinter solchen Hongbao-Events. Viele Netizens geben offen zu, nach dem Abschluss einer Runde bereits auf die folgende zu warten. Oder man zeigt sich großzügig und eröffnet selbst ein neues Spektakel. Eines ist sicher: Die Meute wird stets hungrig nach dem neuen Happen gieren!

Zahlen belegen die zunehmende Beliebtheit dieses Online-Spiels in China. Während zum Frühlingsfest 2014 lediglich acht Millionen Chinesen um Hongbaos kämpften, stieg die Zahl 2015 steil auf rund 600 Millionen Teilnehmer an. Allein auf WeChat wurden am Silvesterabend 2016 2,3 Milliarden Hongbaos verteilt und freudig geöffnet. Durchschnittlich hätte damit jeder der 1,3 Milliarden Chinesen sowohl ein Hongbao bekommen als auch verschenkt.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Chinesischen Neujahr, dem Frühlingsfest, mit dem das Jahr des Affen eingeweiht wird, soll den Hongbaos eine noch prominentere Rolle zukommen. An der beliebten Frühlingsfestgala im Staatsfernsehen CCTV, die in jedem Jahr höchste Einschaltquoten aufweisen kann, wird sich diesmal auch Alipay mit spannenden Geldspielen beteiligen. Alipay fungiert dabei als Plattform, die unzählige Unternehmen für sich nutzen. Diese profitieren durch die Präsenz in der Öffentlichkeit und sind zugleich die Geldgeber hinter den Spiel-Transaktionen, die zum feierlichen Anlass durchaus eine Milliarde Yuan RMB sprengen könnten.

Die Sprecherin von Alipay Shen Yunfang erläutert: „Über einhundert Unternehmen haben sich bei uns gemeldet. Den Zuschlag haben mehr als zwanzig Firmen bekommen. Sie sind vor allem in Finanzen, in der Handyherstellung und in der Unterhaltungsindustrie tätig.“

Zum Frühlingsfest öffnen somit die ausgewählten Unternehmen ihren eigenen Geldpool. Die Geldgeschenke tragen beim Spieleinsatz Firmen-, Produktnamen und Werbeslogans. Die Großzügigkeit ist daher keineswegs uneigennützig. Der freie Journalist für Internet und E-Business Hong Bo erklärt:

„Die Aktionen mit der Werbung per Hongbaos brechen an Feiertagen immer wieder neue Rekorde. Da Geldgeschenke untrennbar mit dem Frühlingsfest verknüpft sind, will sich selbstverständlich kein Unternehmen die Chance entgehen lassen, um auf diesem Weg Eigenwerbung zu betreiben.“

Der Journalist Hong Bo verweist damit auf die Zahlungsmodalitäten des Smartphones, dank derer eine Transaktion äußerst unkompliziert und schnell abgewickelt werden kann. 82 Prozent der Befragten einer Umfrage gaben an, schon einmal mit dem eigenen Mobiltelefon bezahlt zu haben. Alipay legte dar, rund 80 Prozent der abgewickelten Geschäfte würden bereits per Handy bezahlt. Allerdings variiere dieser Anteil je nach Region. Trotz dieser kleinen Unterschiede kann festgehalten werden: Das Handypayment stellt heute für Internetgiganten eine riesige Goldgrube dar. Geldgeschenke im Umfange mehrerer Millionen Yuan RMB sind dabei attraktive Köder für einen noch größeren Umsatz. (cri)

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