Liang Shiyu: Der Einfluss der Internationalisierung auf Shanghais junge Chinesen

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Shanghai schreibt
Liang Shiyu: Welt-Fremdsprachen-Mittelschule Shanghai

Dezember 2013 Shanghai

Shanghai wird immer internationaler. Wenn man das heutige Shanghai mit dem Shanghai von vor 20 Jahren vergleicht, kann man einen riesigen Fortschritt beobachten. Aber ist Shanghai wirklich eine internationale Stadt? Was spricht dafür und was dagegen? Und wie können wir als junge Chinesen von der Internationalisierung profitieren?

Shanghai war immer schon eine sehr internationale Stadt mit Beziehungen zu anderen Ländern. In den letzen dreißig Jahren hat sich Shanghai aufgrund wirtschaftlicher Beziehungen völlig verändert. Entsprechend einer Untersuchung der Wirtschaftsabteilung der Regierung von Shanghai gab es bis 2012 mehr als 700 ausländische Firmen in der Stadt. Natürlich ist es wichtig, dass Shanghai immer mehr ausländische Investoren anzieht, weil eine große Prozentzahl von Shanghais Bruttoinlandsprodukt von den internationalen Wirtschaftsbeziehungen abhängt. Die Internationalisierung Shanghais ist notwendig, damit sich die Stadt weiter entwickeln kann.

Die ökonomische Globalisierung wirkt sich selbstverständlich auch auf unser Alltagsleben positiv auf. Sie bringt mehr Vielfalt in das Leben der Stadt und ermöglicht eine größere Auswahl an Kleidung, Nahrungsangeboten und bietet neue Architektur. Vor dreißig Jahren, so sagen meine Eltern gab es damals nur einige chinesische Kleidermarken, die meistens langweilig und von schlechter Qualität waren. In dieser Zeit hätte man es sich auch nicht vorstellen können, eines Tages aus so vielen verschiedenen Speisen aus der ganzen Welt wählen zu können. Nur sehr reiche Familien konnten sich beispielsweise westliche Gerichte leisten. Heute kann man einfach in den Cityshop gehen und für nur 10 Yuan einen leckeren Salat kaufen, ohne auch nur ein Restaurant zu besuchen Import. Der Import von Waren aus anderen Ländern versüßt somit unseren Alltag und macht ihn interessanter.

Neben dem Alltagsleben wirkt sich die Internationalisierung Shanghais auch positiv auf die Ausbildung vieler chinesischer Jugendlicher aus. Neue kreative Ideen werden jeden Tag in der Schule ausgetauscht. Eine Besonderheit in Shanghai ist, dass es mehrere internationale Schulen wie z.B. die Welt-Fremdsprachen-Mittelschule gibt, in der Schüler und Schülerinnen meist miteinander Englisch sprechen und gemeinsam an vielen interessanten Tätigkeiten teilnehmen. Ich bin jetzt in der elften Klasse dieser Schule, aber von der sechsten bis zur neunten Klasse habe ich eine lokale chinesische Schule besucht. Den Unterschied zwischen der traditionellen chinesischen Schulbildung und der internationalen Schulbildung habe ich selbst erfahren. Ich glaube, dass eine internationale Schule weitaus mehr Möglichkeiten bietet als eine traditionelle Schule. Dort lernt man Dinge zu hinterfragen und andere Kulturen besser zu verstehen, statt traditionell nur der Prüfungen wegen zu lernen. Es gibt immer mehr Austauschprogramme in den Schulen oder Universitäten in Shanghai, so dass Schüler oder Studenten in ein anderes Land fahren und dort studieren können und dazu beitragen, eine globale Perspektive zu entwickeln.

Obwohl die Internationalisierung Shanghais so viele Vorteile hat, gibt es leider auch einige Nachteile. Die Umwelt Shanghais wird durch die rasante Entwicklung der Stadt verschmutzt. Ich denke, die Umweltverschmutzung ist ein Problem aller Entwicklungsländer, um das man sich gemeinsam Gedanken machen muss. Weil es so viele Autos auf den Straßen gibt, ist die Luft in der Stadt nicht mehr frisch und sauber und die Gesundheit der Bewohner Shanghais gefährdet. Meiner Meinung nach sind negative Einflüsse auf die Umwelt unvermeidbar, wenn Shanghai als Volkswirtschaft in der Zukunft weiter wachsen möchte. Die Verschmutzung völlig zu stoppen ist nicht möglich. Wir könnten jedoch zum Beispiel damit anfangen, häufiger öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder die Klimaanlagen weniger zu gebrauchen.

Ein anderer Nachteil der Internationalisierung ist der Verlust der traditionellen Kultur. Weil Shanghai im Moment solch eine internationale Stadt ist, sprechen immer weniger Kinder und Jugendliche den Shanghai Dialekt, das sogenannte Shanghainesisch. Es wäre wirklich schade, wenn das einzigartige Shanghainesisch aussterben würde. Daneben sehen wir kaum mehr traditionelle Gebäude, wie zum Beispiel die Shikumen (Steintore), in unserem Stadtbild, weil es mittlerweile fast nur noch moderne Hochhäuser gibt. Das traditionelle Essen mögen die jungen Leute in der Stadt auch nicht mehr besonders. Dumplings (Xiaolongbao) oder Youtiao (frittierte Teigstäbchen) schmecken den meisten jungen Leuten nicht mehr. Mein Cousin und ich essen auch lieber Sandwiches und trinken Milch und Kaffee statt Sojamilch oder Tee. Auch wenn das Verschwinden des traditionellen Essens nicht aufzuhalten ist, sind viele Speisen doch Teil unserer Kultur und ich habe Angst davor, dass ihr ursprünglicher Geschmack durch westliche Einflüsse zerstört wird.

Wie ich bereits gesagt habe, ist die Globalisierung ein unvermeidlicher Trend. Es gibt Pro- und Kontra-Argumente auf beiden Seiten. Die Internationalisierung Shanghais ist wichtig für die Wirtschaft und macht unseren Alltag interessanter. Allerdings schadet der Trend auch der Umwelt und den Traditionen in der Stadt. Zum Schluss, denke ich, dass wir versuchen sollten, uns die Vorteile der Internationalisierung zu Nutze zu machen und die Nachteile so gut wie möglich zu kompensieren. Dann wird Shanghai zu einer internationalen Stadt mit Zukunft.

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