Was der neue US-Präsident für China bedeuten könnte

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Laut Experten würde Hillary Clinton den außenpolitischen Kurs weiterverfolgen, während Donald Trump die US-Politik unberechenbarer machen könnte. Unabhängig vom Wahlausgang ist eine vertiefte Kooperation mit den USA unabdingbar.

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Foto: CNSphoto.com
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„Das Wichtigste an den chinesisch-amerikanischen Beziehungen ist, dass beide Seiten keine Probleme verursachen. Wir müssen uns beide beruhigen, was besonders jetzt in Hinblick auf die Angelegenheit im Südchinesischen Meer notwendig ist“, erklärte Robert Daly, zweiter Direktor des Kissinger-Instituts über China und die Vereinigten Staaten am Washingtoner Woodrow Wilson Center, letzte Woche auf fließendem Chinesisch auf einem Seminar in Beijing, welches vom „Center for China and Globalization“ (CCG) veranstaltet wurde.

Seine Meinung wurde von vielen chinesischen Experten der Internationalen Beziehungen geteilt. Ihnen zufolge sind die Stabilität der chinesisch-amerikanischen Beziehungen und die bilaterale Zusammenarbeit die Grundlage dafür, um viele der gegenwärtigen Probleme auf der Welt zu lösen. Jedoch werde mit der bevorstehenden Wahl des nächsten US-Präsidenten, ob nun Donald Trump oder Hillary Clinton, die Beziehungen eine neue Richtung einschlagen.

Die Streben nach Veränderung

„Wer das Amt nun übernimmt, wird keinen großen Unterschied machen“, meinte Huo Jianguo, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am CCG. Ihm zufolge werden das demokratische System und die Macht den Kongresses in den USA ihren Einfluss weiter ausüben. Welche kühnen Pläne sie während der Wahl auch verkünden, die beiden Kandidaten werden ihre persönlichen Interessen denen des Kongresses und des Landes unterordnen.

Auch wenn Donald Trump sich zum Ziel gesetzt hat, die Handelsbeziehungen zu China zu erschweren und er China in seinen Reden wiederholt mit Äußerungen, wie „wir werden von China schwer übers Ohr gehauen“, kritisiert hat, konnten ihm einige chinesische Seminarteilnehmer trotzdem etwas abgewinnen.

„Sein positives Charaktermerkmal ist Pragmatismus. Es ist daher möglich, dass er während der Debatten sehr pragmatisch sein wird“, meinte Wang Xin, ehemaliger Präsident von SinoMedia. Trump werde vielleicht erst aggressiv auftreten, trotzdem seien auch Verhandlungen mit dem Geschäftsmann möglich. Vielen Amerikanern ist er als Reality-TV-Star und islamfeindlicher Demagoge bekannt.

Wang erklärte zudem, dass er für Trump wählen würde, wenn er Amerikaner wäre, da dieser für Überraschungen sorgen könnte, statt die Fortsetzung des Immergleichen unter Clinton mitzuerleben.

Zou Dehao, ehemaliger Korrespondent von People’s Daily bei den Vereinten Nationen, stimmte der Ansicht zu, dass sich nicht viel ändern werde, doch dass es möglicherweise zu mehr Reibereien kommen könnte, wenn Trump die Wahl gewinnen würde. „Das amerikanische Volk würde unglaubliche Kreativität und Mut beweisen, falls es nach Veränderung und Innovation streben würde.“ Ihm zufolge werde Trump die diplomatischen Konflikte zwischen China und den USA insgesamt reduzieren.

Die Mehrheit der Experten stimmte darin überein, dass Trump das Verhalten der USA unberechenbarer machen würde und seine globalisierungskritische Haltung Grund zur Besorgnis sei.

Das Problem der politischen Polarisierung

Viele zeigten sich davon überzeugt, dass die US-Strategie unter Clinton vorhersagbarer sein würde. In China genießt Hillary Clinton in der Öffentlichkeit keine große Beliebtheit, da sie als Außenministerin die Internetfreiheit in der Volksrepublik kritisiert hatte und wegen ihrer Äußerungen zu den Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer.

Zou sagte, dass Clinton sich in Folge der US-amerikanischen Schwerpunktverlagerung nach Asien, der „Pivot to Asia“-Strategie, auf den asiatisch-pazifischen Raum konzentrieren und eine Hardliner-Position gegenüber China einnehmen würde. „Sie würde vermehrt die Konfrontation im Bereich der Menschenrechte und des Südchinesischen Meeres suchen, was niemanden zugute käme.“

Daly stimmte dieser Ansicht zu und erklärte, dass Clinton wahrscheinlich besonders in Bezug auf das Südchinesische Meer ein schwieriger Verhandlungspartner wäre und dies die chinesisch-amerikanischen Beziehungen beeinträchtigen könnte. Er erklärte des Weiteren, dass die kürzlich veröffentlichten E-Mails, welche die Voreingenommenheit des Nationalen Ausschusses der Demokraten gegenüber Bernie Sanders Wahlkampagne beweisen, die Stimmenabgabe der Amerikaner nicht beeinflussen werde. Die Neuigkeit werde schnell in Vergessenheit geraten, genau wie das Plagiieren einer Rede von Michelle Obama durch Melania Trump.

Unabhängig von den jeweiligen Strategien von Trump oder Clinton, betonten die Experten des Seminars, dass die jeweiligen Kabinettsmitglieder eine wichtige Rolle für die US-amerikanische Chinapolitik spielen werden.

Daly merkte an, dass sich die diesjährige Wahl im Vergleich zu den vergangenen Jahren maßgeblich unterscheide, da die Mehrheit der Amerikaner ein negatives Bild von beiden Kandidaten haben. Dies sei noch nie dagewesen. Über die Hälfte der Demokraten wählen Clinton, nicht weil sie Clinton unterstützen, sondern weil sie Trump hassen. Das Gleiche gelte für die Republikaner und Trump. Persönlich zeigte sich Daly eher darüber besorgt, dass nach der Wahl, wer auch immer nun gewinne, 50 Prozent der Amerikaner ihren neuen Präsidenten hassen werden. „Weder Hillary noch Trump werden das Problem der Polarisierung lösen können.“ (German.people.cn)

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