Immobilienblase gefährdet die Mittelschicht

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Während die Wohnungspreise beständig steigen, erreichen Liquiditätsüberschüsse nicht die Realwirtschaft. Chinesische Mittelschichtfamilien, die sich zunehmend als Immobilienspekulanten betätigen, sägen dadurch an ihrem eigenen und einzigen Ast. Die Problematik von Immobilien als Kapitalanlage.

Einige Beobachter prophezeien, dass in den nächsten fünf Jahren 90 Prozent der chinesischen Mittelschichthaushalte das Abgleiten in die Armut droht, weil die Wirtschaft des Landes in eine Ära des geldpolitischen Leerlaufs tritt.

Bei diesem Phänomen bleibt die Geldmenge innerhalb des Finanzsystems anstatt in der Realwirtschaft anzukommen. Es wird zudem angenommen, dass der chinesische Mittelstand mehrheitlich aus Kleinunternehmern besteht, in den Vereinigten Staaten und Europa dagegen aus Fachleuten. In den Hauptmetropolen Chinas wird eine Familie zur Mittelschicht gezählt, wenn ihr Jahreseinkommen 1 Million Yuan (134 Tausend Euro) oder das Familienvermögen 10 Millionen Yuan beträgt.

Sollten die Geldspritzen der Zentralbank weiterhin nicht in der Realwirtschaft ankommen, sondern von Anlegern, deren Mehrheit Mitglieder der Mittelschicht sind, verwendet werden, um an Aktienbörsen, in Hauseigentum und Waren zu spekulieren, dann werden laut Expertenmeinung, falls die Blase platzt, diese Investoren in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich ihren Reichtum verlieren. In Anbetracht der chinesischen Wirtschaftsabkühlung finden Kleinunternehmen nur schwer Gelegenheiten für Investitionen, oder sind widerwillig, ihre momentanen Investitionen auszuweiten. Diese Situation erzeugt einen Teufelskreis, in dem die chinesische Wirtschaft ihre Verlangsamung nicht überwinden kann und der chinesische Mittelstand seinen Reichtum nicht bewahren kann.

Die Genauigkeit dieser Vorhersage beiseite lassend, verdient solch ein Problem unsere Aufmerksamkeit, insbesondere nach der Veröffentlichung neuer Daten, die offenbaren, dass eine wesentliche Summe des ins Finanzsystem gepumpten Geldes nicht in die Realwirtschaft geflossen ist.

Neue Yuan-gezeichnete Darlehen beliefen sich in der ersten Hälfte des Jahres auf ein historisches Hoch von 7,53 Billionen Yuan (1 Billion Euro), während neue Privathypotheken 2,36 Billionen Yuan (0,32 Billionen Euro) erreichten und fast 40 Prozent der neuen Gesamtdarlehen ausmachen. Im Vorjahresvergleich stiegen die privaten Investitionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um nur noch 2,8 Prozent. Bis Ende Mai gab es noch ein Wachstum von 3,9 Prozent, was anzeigt, dass sich die Privatinvestitionen im Juni verringerten. Die Daten zeigen zudem, dass die Erhöhung der Kredite nicht in die Realwirtschaft floss.

Die aktuelle Wirtschaftslage verspricht der Mittelschicht des Landes eine Besorgnis erregende Zukunft. Die Mittelschicht steht jetzt Sorgen gegenüber, ob die Investitionsmöglichkeiten für Privatunternehmen in Zukunft abnehmen werden. Wenn Liquiditätsüberschüsse tatsächlich nicht in der Realwirtschaft ankommen, wird die Unklarheit bezüglich der Aussichten auf ein Wachstum der chinesischen Wirtschaft weiter zunehmen. Zusätzlich könnte der gegenwärtige Wertverlust der chinesischen Währung den Reichtum der Mittelschicht beträchtlich vermindern. Laut einer neuen Umfrage der Financial Times wollen 45 Prozent der Chinesen mit mittlerem Einkommen mindestens 10 Prozent ihrer Ersparnisse in Fremdwährungen umwandeln, während 29 Prozent dies bereits getan haben.

Chinas Wirtschaft trat tatsächlich schon vor einiger Zeit in eine Phase des Geldleerlaufs. Das Staatliche Amts für Statistik behandelt Wohnungen als Kapitalanlageprodukte und nicht als Verbraucherprodukt. Wohnungen als Kapitalanlage zu betrachten bedeutet, dass eine große Menge an Liquidität, die in den Immobilienmarkt fließt, eine Situation schafft, wo in Eigentum investiertes Geld Investitionen in die Realwirtschaft verdrängen. Das schnelle Wachstum der Schattenbanken in den vorherigen Jahren und der aktuell historisch niedrige Zinssatz auf Hypothekendarlehen führen alle zur Tatsache, dass eine beträchtliche Menge der Liquidität in den Immobilienmarkt fließt und die Hauspreise hochtreibt.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte waren chinesische Mittelstandfamilien entweder Kleinunternehmer oder Immobilienspekulanten. Diese zwei Kategorien verschmelzen nun zu einer. Kleinunternehmer, die nicht auf Investitionsmöglichkeiten in der Realwirtschaft warten wollen, werden stattdessen beschließen, in Zeiten des Geldleerlaufes in den Immobilienmarkt zu investieren. Zurzeit besitzen fast alle Kleinunternehmer Wohnimmobilien.

Ob der Mittelschicht ein Abgleiten in die Armut drohen wird, liegt größtenteils an der chinesischen Hauspreisentwicklung in den nächsten Jahren. Wenn die Regierung ihre Eigentumspolitik nicht verändert und weiterhin die Menschen zur Spekulation ermuntert, werden die Wohnungspreise weiter steigen.

Viele hoffen, dass die Immobilienpreise immer weiter steigen oder glauben sogar an unendliches Wachstum. Jedoch lebt dieser Mythos seit mehr als einem Jahrzehnt von unterschiedlichen Konjunkturmaßnahmen, und seine Verlängerung ist wahrscheinlich außerhalb der Regierungskontrolle. Die Situation erinnert an das, was in Wenzhou in der Provinz Zhejiang und Ordos in der Inneren Mongolei vor fünf Jahren geschah, als zügellose Kreditvergabe und Darlehensaufnahme zu übermäßiger Spekulationen auf dem Immobilienmarkt führten, und nach dem Platzen der Immobilienblase viele verarmt zurückließ.

Wenn sich der gesamte Reichtum der chinesischen Mittelschicht in einem Korb konzentriert, und wenn dieser Korb das Gewicht nicht tragen kann, dann riskiert die chinesische Mittelschicht das Zurückgleiten in die Armut, da ihr Reichtum entweder abnehmen oder sich in Luft auflösen wird. (German.people.cn)

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Foto: CNSphoto.com

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