Ein Mann, der von Hamburg nach Shanghai laufen möchte

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12.000 Kilometer oder 18.478.000Schritte: Dahinter steht ein wahnsinniger aber großer Plan. Kai Markus Zahn, ein ehemaliger Turn- und Skitrainer wird im Jahr 2017 von Hamburg nach Shanghai laufen. Der Weg erstreckt sich durch Deutschland, Polen, Weißrussland, Russland, Kasachstan, Uzbekistan, Kirgisistan und schließlich China. Dieser Plan unter dem Namen „runmysilkroad.com“ befindet sich zurzeit in intensiver Vorbereitungsphase. Mit dem Protagonisten Kai Markus haben wir ein Gespräch geführt.

Kai Markus Zahn beim Training © Kai-Markus-www.runmysilkroad.com

China.org: Wann und wie sind Sie auf die Idee gekommen, von Hamburg nach Shanghai zu laufen? Was ist für Sie die „Seidenstraße“?

Kai Markus Zahn: Die Idee, etwas für die Verbindung von Kulturen zu tun, habe ich schon sehr lange – die konkrete Idee nach China zu laufen kam im Laufe des Jahres 2015, hat sich dann 2016 konkretisiert und wurde letztlich im Juli 2016 veröffentlicht. Da ich in Hamburg wohne, kommt natürlich die chinesische Partner Stadt Shanghai als Finalstadt in Betracht.

Die Seidenstraße habe ich schon als Kind im Unterricht und aus Büchern und Filmen kennen gelernt. Heute ist die Seidenstraße nicht mehr das, was es vor vielen Jahrhunderten war, aber es entsteht wieder dieser Abenteuergedanke und der Austausch von Waren und Kultur über diesen Weg hat einen großen Charme für alle Beteiligten.

China.org: Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen des Projekts? Gab es soweit Schwierigkeiten?

Die Vorbereitungen sind sehr weit vorangeschritten. Schwierigkeiten gibt es jeden Tag mehr als Lösungen. Das schwerste am ganzen Projekt ist nicht das Laufen – es ist die Vorarbeit an der Überzeugung, mich zu unterstützen und in das Projekt zu vertrauen. Es ist auch sehr schwer die Kosten klein zu halten. Wir haben nur 6 Monate für die Vorbereitung des Projekts. Gerne hätte ich mehr Zeit, aber die Kosten wären zu hoch und das Projekt würde scheitern. Wir haben keine zweite Chance für einzelne Schritte. Daher ist die Fokussierung, Disziplin und Selbstmotivation enorm wichtig.

Kais Großeltern © Kai-Markus-www.runmysilkroad.com

China.org: Sie haben gesagt, dass Sie sich für die chinesische Kultur interessieren, da Sie von einigen Personen beeinflusst wurden. Wie haben sie Einfluss auf Sie gehabt?

Schon als Kind haben meine Großeltern wert darauf gelegt, dass ich offen anderen Menschen und Kulturen gegenüber bin. Es gibt die Buchreihe „WAS IST WAS“ Ich habe auch den BAND 109 – „DAS ALTE CHINA“ schon sehr früh als Kind bekommen. Neben den Reisen in China waren das meine Erlebnisse. Später in der Schule war ich geprägt von Helmut Schmidt als Kanzler. Er hat früh schon darauf geachtet zu verstehen, dass China anders ist als Europa aber gut für uns alle. Er hat mich gelehrt, nicht alles gut zu finden, aber immer die Kultur und die Menschen so wie sie sind, zu respektieren und zu lernen. Und es gab auch Freunde, die aus ihrem Leben und über China berichteten, als wäre ich selbst dort. Ich bekam mehr und mehr Interesse an China.

China.org: Auf der Webseite des Projekts schreiben Sie, dass China und Ihre Heimat Bayern viele Gemeinsamkeiten haben. Können Sie einige Beispiele nennen?

Zum einen ist da der Sinn für Familie. In China und in Bayern ist der Familiensinn am wichtigsten. Die Rolle des Sohnes, das Zusammenhalten als Familie… Darüber hinaus sind Bayern und China bekannt als stolze Nationen. Bayern und Chinesen sind stolz auf ihre Herkunft. Ich selbst nenne mich kaum Deutscher – ich nenne mich Bayer.

Auch Sprachlich gibt es Gemeinsamkeiten – wenn auch eher Lustige. „Wie viel“ in chinesische klingt genau so wie das Bayerische „Do schau“, was aber bedeutet: „Da, siehst du“. Oftmals wenn mich chinesische Freunde in Bayern besuchen, denken diese, ich habe gerade chinesisch gesprochen.

Kei war bei bekannten zu Besuch und hatten viel Spaß mit chinesischen Kindern, die einen Deutschen nicht so oft sahen.

China.org: Sie waren schon mehrmals zum Arbeiten in China. Wann waren Sie zum ersten Mal hier? Gibt es Unterschiede zwischen dem damaligen und dem heutigen China?

Das erste Mal ist lange her und war, als ich noch nicht wirklich arbeiten musste. China hat sich schneller entwickelt als viele denken. Aus meiner Sicht sind die Veränderungen Chinas meist positiv. Das einzige was mir zu schnell geht – die alten Menschen in China müssen auch mit dieser Entwicklung mithalten können. Wir dürfen die Generation der Eltern und Großeltern bei dieser schnellen Entwicklung niemals aus den Augen verlieren. Sie sollen auch am Fortschritt teilhaben.

China hat sich auch stark internationalisiert – mehr und mehr sehe ich Schilder in englischer Sprache, Fahrradwege, Elektroautos und Mopeds… Leider geht damit – wie in jedem Land – auch etwas der chinesischen Kultur verloren. Oft vermisse ich in den Megastädten die alten traditionellen Teile. In Deutschland haben wir sehr früh angefangen historische Gebäude unter „Denkmalschutz“ zu stellen – China fängt nun Gott sei Dank auch damit an. Es kann noch viel mehr werden. Sonst geht dem Land ein Teil der mehr als 5000 Jahre alten Geschichte verlorenm, die mich so früh fasziniert hat.

China.org: Für Ihr Laufprojekt werden Sie auch viele „Made in China“-Produkte verwenden. Welches „Made in China“-Produkt kommt in Deutschland gut an?

Ich will hier keine Werbung machen, aber Deutsche lieben viele Produkte – oft sind sie sich aber gar nicht im klaren, dass diese „Made in China“ sind und nur eine europäische oder US-Marke tragen. Huawei wird immer mehr und mehr bekannt und bietet eine starke Alternative. Dies merke ich auch in meinem deutschen Freundeskreis. Es haben schon mehr ein Huawai-Armband oder Telefon als andere Marken. Firmen wie Hisense oder Haier werden immer bekannter und machen eine gute Arbeit.

Vertrauen braucht Zeit und Medien berichten nicht immer neutral wie ich finde. Ich liebe Wechat und habe mein Facebook nur wegen runmysilkroad.com wieder aktiviert. Wechat ist für mich einfacher, schneller und spannender. Langsam macht sich der Trend bemerkbar, dass westliche Unternehmen Ideen aus Asien übernehmen und China mehr und mehr zum Innovationstreiber wird.

Kai und sein Team während einer Konferenz © Kai-Markus-www.runmysilkroad.com

Sie haben bei der Pressekonferenz in Beijing erwähnt, es gebe viele gute chinesische Traditionen, dazu gehört für Sie auch die chinesische Medizin. Ist die Chinesische Medizin in Deutschland weitverbreitet?

Zum einen finde ich es schade, dass immer mehr Menschen in China nur noch der westlichen Medizin vertrauen – die alte traditionelle chinesische Medizin ist hervorragend und ich vertraue ihr sehr – ich denke die Kombination aus beiden ist viel richtiger als nur eine Richtung. In Europa gehen die Menschen langsam wieder zurück zu Bio, Traditioneller Medizin und alternativen Heilmethoden. Mein Projektarzt Prof. Dr. med. Janosh Winkler zum Beispiel ist selbst in China gewesen um TCM zu studieren. Er ist ein klassischer deutscher Arzt, aber er schafft die Kombination sehr gut. Oft bekomme ich neben europäischer Medizin auch Akkupunktur und andere TCM-Behandlungsmethoden. Ich merke den Unterschied sehr deutlich. Meine Schulter, die in Deutschland operiert werden sollte, ist dank einer Behandlung in Guangzhou nun geheilt und voll einsatzfähig. Ohne Operation.

China.org: Bekommen Sie für Ihr Laufprojekt mehr Aufmerksamkeit von den Chinesen und den chinesischen Medien oder von den Deutschen und den deutschen Medien? Läuft alles nach Ihren Vorstellungen?

Leider aktuell noch mehr von deutschen Medien. Es ist frustrierend aber normal. Ich bin Deutscher und egal wie sehr ich China mag, sind natürlich die Kontakte besser in Deutschland. Ich erhoffe mir aber viel Unterstützung von chinesischer Seite.

Natürlich muss das Projekt „runmysilkroad.com“ noch bekannter werden. Es soll eine starke Brücke für die Kulturen der beiden Länder werden. Tatsächlich bin ich aber kein Superstar oder Millionär. Daher braucht es Zeit und viel Kleinarbeit. Vielleicht finde ich den Super Sponsor und der hat eine riesige Marketing Abteilung – das wäre klasse – aber es wird auch ohne gehen. Ich will zeigen, dass man hart arbeiten und verzichten können muss, um einen solchen Traum und ein solches Projekt zu verwirklichen.

(german.china.org.cn)

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