XI JINPINGS REDE IN DAVOS

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2018

Am 17 Januar startete das Weltwirtschaftsforum (WEF) im Schweizer Ski Resort Davos. Zum ersten Mal überhaupt beteiligte sich der chinesische Präsident an diesem Event.

Foto: ecovis-beijing

Das World Economic Forum, wie es offiziell genannt wird, legt den Fokus auf fünf Schwerpunkte unter dem großen Thema „Anpassungsfähige und verantwortungsvolle Führung“.

 

Der erste Schwerpunkt beschäftigt sich mit der „Vierten Industriellen Revolution“, einer technologischen Zeitenwende, die einen enormen Einfluss darauf haben wird, wie wir miteinander leben, arbeiten und agieren. Charakterisierend für die vierte industrielle Revolution ist die Verschmelzung neuer Technologien aus den Bereichen Physik, Computertechnologie und Biologie.

 

Der zweite Schwerpunkt dreht sich um die Frage, wie globale Probleme gelöst und die transnationale Koordination weiter verbessert werden kann. Insbesondere von Xi Jinping wurde erwartet, diese Diskussion voranzutreiben, da China eine immer positivere Haltung gegenüber Multipolarität einnimmt und auf Win-Win Kooperationen mit anderen Nationen setzt.

 

Der dritte Schwerpunkt – ebenso wichtig für China – behandelt die Förderung des weltweiten ökonomischen Wachstums, was nach wie vor eines der Hauptziele der chinesischen Regierung ist.

 

Viertens diskutiert das Forum Möglichkeiten den Marktkapitalismus zu reformieren und das Vertrauen zwischen Unternehmen und Bürgern wiederherzustellen. Die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich wird zunehmend zu einem ökonomischen und politischen Problem. Neben der Wohlstandskluft vergrößert sich zusätzlich auch die Wahrnehmungslücke zwischen Gering- und Topverdienern. Folglich möchte das Forum die globale Elite dazu anhalten, sich für eine größere Gleichheit in ihren Gesellschaften einzusetzen und effektiv gegen Korruption und andere schädigende Praktiken vorzugehen.

 

Der fünfte und damit letzte Schwerpunkt beschäftigt sich mit dem Gefühl des Verlusts der Identität. Globalisierung kommt mit offenen Grenzen. Allerdings haben die jüngsten Flüchtlingsströme viele Bürger in Europa und Nordamerika verunsichert und haben zu Angst vor einem Kulturverlust geführt. Ziel ist es, das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierungen wieder herzustellen.

 

Das diesjährige WFF ist dennoch etwas anders, als das der vorherigen Jahre. Ursprünglich stand das WFF für die Überzeugung, dass Globalisierung allen zugutekommt. Mit dem Brexit und der Wahl Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten zeichnet sich dennoch ein klarer Trend in Richtung mehr Protektionismus und der Bereitschaft sich selbst von befreundeten Staaten und wichtigen Handelspartner abzuwenden ab. Auch das Erstarken von Populismus in vielen Ländern, wie beispielsweise Deutschland oder Frankreich, zeigen, dass mehr und mehr Leute diese Idee eines globalen Handelns hinterfragen und teilweise missbilligen. Die Wahl Trumps und der Brexit zeigen deutlich, dass eine große Menge an Menschen der Meinung ist, keinerlei Vorteile von einer grenzenlosen Welt erfahren zu haben.

 

In direktem Kontrast dazu steht Xi Jinping. Er sieht China in einer führenden Rolle auf dem globalen Markt. Das Land tut auch einiges dafür, um dieser Position gerecht zu werden: Es machte die 2016 größten Investments in erneuerbare Energien (ungefähr 100 Milliarden, und somit doppelt so viel wie die USA) und seine Übersee-Investitionen in grüne Energien haben im letzten Jahr ebenfalls um 60 Prozent  zugenommen.

 

Die Vorteile der Globalisierung zeigen sich deutlich in vielen Wachstumsmärkten, wie Indien oder China. Milliarden leben heute ein besseres Leben – dank der Globalisierung. Dies ist der Hauptgrund, wieso Xi Jinping offene Grenzen beibehalten und weitere Handelsabkommen abschließen möchte. Er selbst sieht Globalisierung zwar als ein „zweischneidiges Schwert“, denkt aber es sei ein Fehler sein Land von der Außenwelt abzuschneiden und zu isolieren – und holt mit dieser Aussage zum Seitenhieb auf Trumps Amerika Zuerst-Politik aus. Die Aussage lässt aber auch viele Ausländer auf bessere Regularien und weitere Reformen zu hoffen.

 

In jedem Aspekt steht Xi Jinpings Vision der Zukunft im Gegensatz zu den aktuellen Trends im Westen. Trotzdem schürt Chinas eigener Umgang mit ausländischen Investoren – besonders in einigen Sektoren – in welchen es Ausländern teilweise komplett verboten ist zu investieren, nicht unbedingt Vertrauen in seine Aussagen. In der Tat beschweren sich viele ausländische Unternehmen über unklare Gesetze und unfaire Regularien. Auch nimmt der Umfang ausländischer Investitionen in China ab. In 2016 investierten chinesische Firmen rund 161 Milliarden Dollar in ausländischen Märkte während ausländische Investitionen in China sich auf nur auf 107 Milliarden Dollar beliefen.

 

In seiner Rede beim WFF kündigte der chinesische Präsident an, in den nächsten fünf Jahren ausländische Investitionen im Wert von 600 Milliarden Dollar nach China zu locken. Er drückte dabei seine Hoffnung für wechselseitige Kooperation auf beiden Seiten aus.

 

 

Während es momentan viele Länder vorziehen ihre Märkte abzuschirmen und die Grenzen zu schließen, wäre es für China das Beste genau das Gegenteil zu tun. Mit dem Verlust der USA als Markt für exportierte Güter wird es definitiv Konsequenzen für den chinesischen, aber auch für den deutschen Markt haben – sie werden einen ihrer größten Handelspartner verlieren.

 

Sowohl China als auch Deutschland sind exportabhängige Wirtschaften und abhängig von guten Handelsbeziehungen zu anderen Nationen. Trumps Ankündigung, sich nur auf den eigenen Markt und eigene Produzenten konzentrieren zu wollen und dabei notfalls Importzölle zu erhöhen, sollte Deutschland und China dazu veranlassen, sich auf die Suche nach neuen Partnern zu machen. Das Ziel sollte sein, den globalen Markt aufrechtzuerhalten und wirtschaftliches Wachstum zu sichern.

 

Der Rückzug des US-amerikanischen Marktes birgt trotzdem aber auch neue Chancen für China, seinen Markt für Ausländer weiter zu öffnen. Besonders die zunehmende wirtschaftliche Integration einiger ostasiatischer Länder, wie zum Beispiel Vietnam und Indonesien, sowie der Plan ein Transportnetzwerk durch Eurasien zu errichten birgen neue Möglichkeiten für Investitionen und Wachstum in der Region und könnten damit ein  Gegengewicht zum protektionistischen Westen bilden.

 

Das WFF hat nun gezeigt, wie schnell sich die Dinge ändern können. Niemand hätte jemals damit gerechnet, die USA in einer protektionistischen Rolle und in direktem Kontrast dazu China voller Lobeshymnen an den globalen Markt in einer weltoffenen und liberalen Rolle zu sehen.

 

China hat immer noch einen Markt mit vielen Restriktionen für ausländische Firmen. Dennoch hat die Regierung erst kürzlich neue Richtlinien angekündigt und mehr Fairheit versprochen (Bitte lesen Sie hierzu unseren Artikel „Chinesische Regierung kündigt Fördermaßnahmen für FDI an„). Auf jeden Fall ist die bemerkenswerte Rede von Xi Jinping auf dem Welltwirtschaftsforum ei vielversprechende s und wichtiges Signal für die Zukunft. (ecovis-beijing)

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