Immer mehr Chinesen suchen die Flucht aus dem Moments-Wahn

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Quelle: cri

Jeden Tag mehr als fünf Mal in den eigenen Moments posten, sie alle 20 Minuten checken und jeden Post von Freunden mit „Gefällt mir“ markieren… Dies sind typische Symptome der sogenannten „Moments-Sucht“, die viele Chinesen fest in ihrem Griff hat. Zahlreiche WeChat-Nutzer sagten, sie verbrächten viel mehr Zeit damit, auf ihr Handy zu schauen, als mit Freunden oder Familie zusammen zu sein. „Ich habe etwa 1.000 Freunde auf WeChat“, erklärt der User Ezhangqiu, „jede Minute aktualisieren über zehn von ihnen ihren Status in den Moments. Auch wenn ich nur sehr wenige ihrer geteilten Beiträge oder Lieder lese und höre, ist schnell eine halbe Stunde vergangen.“

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Um dieser „Moments-Sucht“ zu entkommen und mehr Zeit für sinnvollere Dinge im Leben zu haben, haben sich Ezhangqiu und viele andere WeChat-User nun dazu entschieden, die Moments abzustellen. Auch Personen, die durch die Moments unter sozialem Druck stehen, ergreifen die Flucht.

„In den Moments sind jetzt lauter Produkt-Werbungen. Manchmal sieht man über zehn Anzeigen direkt hintereinander. Das ist ärgerlich.“

„Oft werde ich von Freuden gebeten, ihren Moment mit ‚Gefällt mir‘ zu markieren oder ihn weiterzuleiten. Ich fühle mich dazu gezwungen.“

„Früher gab es auf der Kontaktliste von WeChat nur enge Freunde. Jetzt sind die Eltern und der Chef auch dabei. Wenn ich etwas posten möchte, muss ich mir zuerst überlegen, ob es irgendwelche schlimmen Konsequenzen haben könnte.“

Während die Generationen junger Chinesen immer mehr Zeit vor dem Handy verbringen, mögen sie es aber nicht, jeden Tag rund um die Uhr mit Bekannten in Kontakt zu stehen. Für viele junge Nutzer gleicht WeChat „einer Familienfeier in verlegener Atmosphäre“, von der sie sich aber nicht wirklich wegschleichen können. Einem von dem WeChat-Entwickler Tencent veröffentlichten Bericht über das Online-Verhalten von nach 1995 geborenen Chinesen zufolge blockieren 48,2 Prozent von ihnen ihre Eltern in Chat-Apps. Einem anderen Tencent-Bericht zufolge jammern rund 20 Prozent der WeChat-User, dass die Nachrichten-App die Grenze zwischen Leben und Arbeit verwische und dadurch ihre Arbeitsbelastung verstärke. Etwa 35,7 Prozent der User haben demnach vor, aus den Moments auszusteigen.

Ezhangqiu ist zufrieden mit seinem Leben, nach der Flucht aus dem Moment-Wahn. Er sagt: „Es fühlt sich an, als ob ich eine schlechte Gewohnheit abgelegt hätte. Ich spare viel Zeit. Statt das Leben anderer zu beobachten, schenke ich meinem eigenen Leben jetzt mehr Aufmerksamkeit.“ Auch die Möglichkeiten des echten Teilens würden mehr, so Ezhangqiu. Früher postete er schöne Bilder in den Moments und schaute dann alle fünf Minuten, um die Gefällt-mir’s zu zählen. Jetzt ist alles anders. Wenn er ein schönes Bild wirklich mit jemandem teilen möchte, dann schickt er es ihm persönlich und verbindet es mit einem direkten Gespräch. (cri)

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