SGC: Reflexionen über neue Impulse für Finanzen und Wirtschaft

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Quelle: bo

Eine ausgesprochen hochwertige Expertenrunde im Bereich deutsch-chinesischer Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen präsentierte das Sino-German Center of Finance and Economics (SGC) zuhören am 20.3.2017 im House of Finance in Frankfurt a.M., und zwar zu dem Thema: „Neue Impulse für Finanzen und Wirtschaft in einem veränderten Umfeld“. Sowohl der Veranstaltungsort als auch das Ansehen des Veranstalters deuteten bereits im Vorfeld auf eine hohe Qualität der Vortragsrunde hin, und diese Erwartung wurde nicht enttäuscht.

Zum Veranstaltungsort: Das von öffentlicher Hand und privater Finanzwirtschaft getragene House of Finance hat im Frühjahr 2008 auf dem Campus der Goethe-Universität seine Pforten geöffnet und vereint Teile der Universität, die interdisziplinär über Themen wie Finanzen, Geld und Währung sowie Recht der Unternehmen und Finanzen arbeiten. Acht akademische Forschungs- und Ausbildungseinheiten werden im House of Finance zusammengeführt.
Zum Veranstalter: Das 2015 gegründete SGC ist ein Kooperationsprojekt des House of Finance seinerseits und der Beijing Volksuniversität (Zhōngguó Rénmín Dàxué). Unter dem gemeinsamen Kuratoriumsvorsitz der Zentralbanken Chinas und Deutschlands verfolgt das SGC primär das Ziel, den Finanzdialog beider Länder zu vertiefen und auszubauen.  Man organisiert und fördert die Zusammenarbeit in der Forschung sowie Aus- und Weiterbildung und schafft eine hochkarätige Dialogplattform für den Austausch.

Einführend in die Veranstaltung am 20.3. stellte SGC Co-Vorsitzender Professor Dr. Rüdiger von Rosen, eines der prägenden Gesichter des Finanzplatzes Frankfurt, Referenten, Thema und Zielsetzungen des SGC vor. Es gehe dem SGC um einen wechselseitigen Wissenstransfer in den Bereichen Finanzen und Wirtschaft ebenso wie ein wechselseitiges Kennenlernen der beiderseitigen Kultur- und Wirtschaftsgepflogenheiten. Der Stellenwert des SGC dokumentiere sich nicht zuletzt im gemeinsamen Kuratoriumsvorsitz der beiden Notenbanken. WANG Shunqing, Generalkonsul der VR China in Frankfurt, wartete in seinem Grußwort mit herausstechenden deutschen Wirtschaftsdaten auf. Sowohl das bilaterale Handelsvolumen als auch die deutschen Investitionen in China seien beeindruckend. So präge Deutschland 1/3 des chinesischen Kfz-Marktes, VW bezöge 2/3 seines Unternehmensgewinns aus China. Dagegen betrage das Investitionsvolumens Chinas nicht einmal 1 % der Auslandsinvestitionen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund bereiteten kritische Stimmen in Deutschland und Europa gegenüber chinesischen Unternehmensübernahmen durchaus Sorge. Ängste vor einem Arbeitsplatzabbau oder einem Technologieabfluss hätten sich als völlig unbegründet erwiesen. GK Wang erinnerte an die Botschaften von Präsident XI Jinping und Ministerpräsident LI Keqiang im Rahmen des 12. Nationalen Volkskongresses (NVK) , die auf weitere Internationalisierung, wechselseitige Investitionsfreiheit und den Kampf gegen den Protektionismus abzielten. Der Kuratoriums-Co-Vorsitzende des SGC, Professor Dr. Joachim Würmeling vom Vorstand der Deutschen Bundesbank, zeigte sich zu Beginn seiner Ausführungen noch beeindruckt vom gerade zurückliegenden G 20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Baden-Baden (hier konnte man sich auf keinen gemeinsamen Appell für Freihandel und gegen Protektionismus verständigen). Was die deutsch-chinesischen Beziehungen betreffe, seien im Verlaufe der 45jährigen diplomatischen Beziehungen dichte Netzwerke entstanden, die eine stabile, kontinuierliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit gewährleisteten. Demgemäß habe man auch in Deutschland die Beratungen des 12. NVK mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen, gerade auch die Veränderungen im Bereich der Nachhaltigkeit oder auch des Binnenkonsums. Das Bekenntnis der chinesischen Staatsführung zu Internationalität könne nur begrüßt werden. Im Bereich von Firmenübernahmen sei allerdings aus deutscher Sicht eine Asymmetrie festzustellen. Mit der chinesischen Seite sei über Fragen wie den Zugang zu öffentlichen Aufträgen, faire Wettbewerbsbedingungen und die Repatriierung erzielter Gewinne zu sprechen. Insgesamt sei es jedenfalls bewusstseinsprägend, dass China jetzt vor Frankreich und den USA Handelspartner Nr. 1  für Deutschland geworden sei. Beide Länder hätten enge Berührungspunkte in der Digitalisierungsfrage, und im Bereich G 20 werde die Bundesregierung kontinuierlich auf den Arbeiten der chinesischen Präsidentschaft aufbauen. Zur Globalisierungsstrategie chinesischer Unternehmen sprach Professor Dr. Sompo CHOU, der den Wandel der chinesischen Wirtschaft zu Zukunftstechnologien (weltweiter Marktführer Tencent bei den Social Media mit Wechat) ebenso beschrieb wie die Seidenstraßeninitiative als Akt der Globalisierung.

Insgesamt sei auch Chinas Kapitalkraft ein Stimulant für die europäische Wirtschaft. Einer der wichtigen Mitgestalter der sogenannten Renminbi(RMB)-Initiative, Dr. Stephan Bredt, für den Finanzplatz zuständiger Abteilungsleiter im Hessischen Wirtschaftsministerium, erläuterte die Zielsetzungen der RMB-Initiative, vor dem Hintergrund der Öffnung Chinas und der wirtschaftlichen Verflechtung beider Länder eine beiderseitige Kapitalbrücke zu bauen. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Finanzsektors könnten noch engere Verflechtungen zwischen dem Finanzplatz Frankfurt und den Finanz-Hubs in Shanghai und Beijing geschaffen werden. Und die Bundesregierung flankiere dies, indem sie Frankfurt zugleich den Status eines Digital Hub zuerkannt habe. Nach Berichten über „Digital Finance in China“ (Professor Dr. Ben SHENGLIN, Akademie für Digital Finance an der Zhejiang Universität) und „FinTech in Deutschland“ (Lars Reiner, Vertreter eines Unternehmens) setzte den Schlusspunkt SGC-Vorstandsmitglied Thorsten Giehler, Leiter der Gruppe Strategie und Politik bei der GIZ. Giehler reflektierte nochmals Aufgabenfelder des SGC wie die Begleitung der chinesischen und deutschen G 20-Präsidentschaften, der Seidenstraßeninitiative und der Digitalisierung. Zugleich stellte er die Funktion der GIZ und speziell auch ihre Arbeit in China vor. (bo)

Quelle: bo

Das Foto zeigt Prof. Dr. Würmeling (Bundesbank, li.) im Gespräch mit Prof. Dr. von Rosen (Vorstand SGC)

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