Wollen Chinesen wirklich eine bargeldlose Gesellschaft?

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(Quelle: cri)

Ohne Bargeld das Haus verlassen und dennoch gemütlich Shoppen und Essen gehen. In China ist dieses futuristische Bild bereits Alltag. Denn zum Bezahlen wird nichts anderes benötigt als ein Smartphone. Doch wollen Chinesen wirklich eine bargeldlose Gesellschaft? Wir haben uns in den sozialen Netzwerken nach einer Antwort umgeschaut.

In China wird heutzutage fast alles bargeldlos mit dem Smartphone bezahlt. Egal ob an der Kasse im Supermarkt oder am Snackstand auf der Straße. Zum Bezahlen wird einfach eine App geöffnet, die einen QR- oder Strichcode generiert, den der Verkäufer scannt. Oder der Käufer scannt mit der App einen QR-Code des Verkäufers. Auch ältere Menschen, vor allem in Chinas Großstädten, folgen dem Trend des mobilen Bezahlens.

Fachleute schreiben die schnelle Entwicklung der Mobil-Bezahlungen in erster Linie den beiden chinesischen Internet-Konzernen Tencent und Alibaba zu. Sie teilen sich den chinesischen Online-Payment-Markt mit ihren Apps. Durch verschiedene und vielfältige Funktionen haben sie für eine breite Akzeptanz der Mobil-Bezahlungen gesorgt.

Einer jüngsten Studie zufolge betrachten etwa 70 Prozent der chinesischen Internetnutzer Bargeld längst nicht mehr als alltägliche Notwendigkeit. So auch ein Benutzer, der sich selber GhostBuster nennt. Er schreibt:

„Erst gab es das sogenannte papierlose Büro. Dann kamen Plastik-Geldscheine und Kreditkarten. All diese Ideen stammen ursprünglich aus den USA. Dennoch konnten die Menschen dort anscheinend nicht mit der Entwicklung Schritt halten. Es ist immer so, dass die Entwicklung des Gehirns nicht mit der Entwicklung der Technologie mithalten kann. Den Chinesen ist es aber gelungen, die Idee der App-Bezahlung flächendeckend zu realisieren.“

Chinesische Firmen hatten noch vor wenigen Jahren weltweit den Ruf als Nachahmer. Sie wurden deshalb häufig nicht ernst genommen. Mit der großflächigen Entwicklung des mobilen Bezahlens hat sich diese Situation nun geändert. Doch nicht jeder sieht die Entwicklung nur positiv. Xiyangyang 0207 erklärt zum Beispiel:

„Normalerweise habe ich kein Problem mit Bargeld. Mit Bargeld geht es manchmal viel schneller als mit dem Smartphone. Ich habe bei einem McDonald’s einmal erlebt, wie sich Kunden beschwerten, weil es eine Verzögerung beim Bezahlsystem gab. Ja, ich weiß, dass es mit dem Handy normalerweise ein paar Sekunden schneller geht. Aber ich denke, die Menschen werden erst verstehen, wie durchsichtig sie sind und wie stark sie überwacht werden, wenn es nur noch bargeldlos geht und dann die Konsequenzen zu spüren bekommen. Dann ist es aber zu spät.“

Mit diesen Sorgen ist Xiyangyang 0207 nicht allein. Viele Gegner von Mobil-Zahlungen verweisen auf das Sicherheitsrisiko. Auch technische Bedenken existieren.

„Ich nehme immer ein bisschen Bargeld mit. Im Falle eines Systemausfalls habe ich wahrscheinlich keinen Zugang mehr zu meinem eigenen Geld.“

„Bargeld hat immer noch einen Vorteil, weil es immer funktioniert. Maschinen können ausfallen, Handys können verloren gehen. Ich kann überall an Geldautomaten Bargeld bekommen. Außerdem lohnt es sich bei kleineren Einkäufen nicht, mit Kreditkarte oder Handy zu zahlen.“

Doch sind technische Probleme eher selten. Und so vertrauen einige Chinesen voll und ganz auf ihr Handy, wenn sie das Haus verlassen. Zu diesen gehört auch Alisa. Sie schreibt:

„Mobil-Bezahlungen haben sich in China sehr schnell entwickelt. Sie sind schnell und sehr einfach. Man kann damit alles bezahlen, von Fahrkarten bis zum Essen in Restaurants. Wenn ich ausgehe, nehme ich nur mein Handy mit.

China scheint sich immer mehr in die Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft zu entwickeln. Aber so eine Entwicklung geschieht nun einmal nicht von heute auf morgen. Das weiß auch SchilkaT.

„China wird sich zweifelsohne zu einer bargeldlosen Gesellschaft entwickeln. Aber ich glaube, es wird eine Weile dauern, weil in unterentwickelten Regionen immer noch weitgehend Bargeld verwendet wird. Auch ältere Menschen und diejenigen, die den sozialen Trend relativ langsam akzeptieren, brauchen noch Zeit, um völlig darin eingebunden zu werden.“

Tatsächlich sieht die Welt des Bezahlens abseits der chinesischen Metropolen noch sehr analog aus. Aber auch dort setzt sich der Trend der mobilen Bezahlungen immer weiter durch. Ob, oder eher wann, China zu einer bargeldlosen Wirtschaft wird, muss sich zeigen. Aber dann stellt sich immer noch die Frage, ist es wirklich sinnvoll, alle persönlichen Daten auf einem Gerät zu zentralisieren? Immerhin gehen Handys regelmäßig kaputt oder verloren und werden gestohlen. (cri)

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