IHK Frankfurt: BREXIT CHINA Community Event

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Das Foto zeigt v.l.n.r. Gf. Dr. Waldschmidt, Ges.BotschR Wang, Moderator Augustin, Gf. Duan und Gf. Dr. Ratzinger

Zu einer Veranstaltung mit dem Titel „BREXIT CHINA Community Event“ hatte Hessen Trade & Invest (HTAI), die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Hessen, am 16.10.2017 in die IHK Frankfurt a.M. insbesondere die chinesische Wirtschafts-Community eingeladen. Und das Interesse war groß: Die Veranstaltung war völlig ausgebucht.

Ihr Ziel war, insbesondere darüber zu informieren, welche Möglichkeiten und Optionen sich für chinesische Unternehmen auf Grund des BREXIT in der Rhein-Main-Region ergeben. Unter der Moderation von HTAI-Abteilungsleiter Internationales Stefan Augustin hatte die Veranstaltung eine Reihe hochkarätiger und kompetenter Referenten aufzubieten. Zur Begrüßung erläuterte HTAI-Geschäftsführer Dr. Rainer Waldschmidt die Arbeit seiner Gesellschaft an Konzepten, die Unterstützung und Information der chinesischen Wirtschafts-Community im Verlaufe des BREXIT-Prozesses noch weiter zu vertiefen und auszubauen. Aus Berlin angereist war WANG Weidong, Gesandter Botschaftsrat und Leiter der Wirtschaftsabteilung der Botschaft der VR China in Berlin. Er wies zwar auf die vorzüglichen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, die mehr als 500 in Hessen tätigen chinesischen Unternehmen und das gesteigerte Interesse aus China an Auslandsinvestitionen in Deutschland hin. Zugleich mahnte er auch, dass insbesondere seit der Kuka-Übernahme protektionistische Stimmen in Deutschland zu vernehmen seien. Speziell auf den Finanzplatz bezogen verlieh er seiner Besorgnis über eine Ungleichbehandlung chinesischer Unternehmen durch die Finanzaufsicht Ausdruck. Und letztlich sei es so, dass chinesische Unternehmen nur dorthin gingen, wo sie auch erwünscht seien. Seitens der gastgebenden IHK Frankfurt erläuterte Geschäftsführer International  Dr. Jürgen Ratzinger die enge Kooperation zwischen IHK und HTAI in der BREXIT-Frage und skizzierte anschließend detailliert Zeitplan, ökonomische Aspekte und Unternehmensperspektiven des BREXIT-Prozesses. Sein Fazit: Die negativen Auswirkungen würden voraussichtlich für die Briten ausgeprägter sein als für die EU, und die Finanzregion Frankfurt dürfte auf Grund der zu erwartenden wechselnden Finanzdienstleister sogar profitieren.  DUAN Wei, Chef der Chinesischen Handelskammer in Deutschland, wartete zunächst mit genauen Daten zu chinesischen Unternehmensansiedlungen in Deutschland (insgesamt ca. 2500) auf. Aktueller Stand: Die weitaus meisten chinesischen Unternehmen gibt es in Nordrhein-Westfalen, es folgen dann nahe beieinander Hessen und Hamburg, während die anderen Bundesländer doch weit dahinter zurückbleiben. Bei den Ansiedelungen lasse sich eine branchenmäßige Orientierung ausmachen. So ziehe es die Maschinenbauer nach München oder die Finanzdienstleister nach Frankfurt. Allerdings gebe es neuerdings auch eine Tendenz in die östlichen Bundesländer. Generell werde der Standort von chinesischen Unternehmen positiv bewertet, sehe man sich doch in Deutschland im „Herzen“ von Europa. Und speziell im FuE-Bereich übe der Raum München eine große Attraktivität aus. So gut auch der Standort bisher beurteilt werde, gebe es doch auch Punkte, die Sorge bereiteten. Negativaspekte seien die bereits angesprochene Ungleichbehandlung durch die Finanzaufsicht, die sehr lange Dauer bei der Bearbeitung von Arbeitsvisa für Deutschland und eine neue Tendenz, chinesische Investitionen zu erschweren. Juristische Fragen des BREXIT erörterte Dr. Simon Werthwein (Anwaltsfirma Taylor Wessing), während als Vertreterin der Hessischen Landesregierung Frau Yasemine Schritt (Hess. Staatskanzlei, Stabsstelle BREXIT) die Koordinierung des BREXIT-Prozesses innerhalb der Wiesbadener Regierung aufzeigte. Für die Wirtschaftsregion Frankfurt Rhein Main bekräftigte der Geschäftsführer der FRM Wirtschaftsförderung, Eric Menges, die bereits intensive Befassung seiner Gesellschaft mit dem durch den BREXIT ausgelösten Standort-Wettbewerb und das wachsende Interesse im Bankenbereich. Menges ging auch auf genaue Strukturdaten der Region ein und räumte gründlich mit einigen Negativmythen auf, wie etwa dem eines Defizits von Internationalen Schulen in der Region. Zum Abschluss kamen zwei Stimmen aus dem Bankensektor zu Wort. GAO Dingxin, leitender Repräsentant der People’s Bank of China, reflektierte über den weltwirtschaftlichen Bedarf an einer Internationalisierung des RMB und zudem über potenzielle Auswirkungen des BREXIT auf den RMB. Auch er mahnte bei der Finanzaufsicht eine wohlwollendere Behandlung chinesischer Banken an. Einen besondere Erwartungen erweckenden Vortragstitel hatte Bernd Meist, Geschäftsleiter der Bank of China gewählt: „Wie die Jungfrau zum Kind kommen kann.“ Er bezeichnete sein Unternehmen als die internationalste Bank Chinas, die seit 1989 in Deutschland niedergelassen sei. Er sah in dem BREXIT eine gute Chance für das Kaptalmarktgeschäft, für die Bank of China in Frankfurt ergäben sich gute Perspektiven. Und, um an die Jungfrau und das Kind anzuknüpfen: Der BREXIT sei ein unerwartetes, aber in seinen Finanzmarktauswirkungen auf den Standort „freudiges Ereignis“. (bo)

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