10 Jahre China Competence Center Frankfurt – Darmstadt

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v.l.n.r. beim Auftaktgespräch Martin Proba, Frau Sonja Müller und Dr. Jürgen Ratzinger

27.11.2017, Darmstadt – Vor 10 Jahren wagten namentlich drei Hauptakteure der Industrie- und Handelskammern Frankfurt a.M. und Darmstadt eine letztlich sehr treffsichere Prognose: Die Bedeutung des China-Geschäftes wird für den deutschen Mittelstand höchst dynamisch wachsen. Praktisches Ergebnis dieser Prognose: Die Gründung des gemeinsamen China Competence Centers (CCC) beider Kammern, das am 27.11.2017 in einem Festakt sein 10jähriges Bestehen feierte und auf eine schöne Erfolgsgeschichte zurückblicken konnte.

Ideengeber waren damals die China-Bevollmächtigten beider Kammern, Helmut Schönleber und Frau Sonja Müller, sowie Martin Proba, Geschäftsführer International der IHK Darmstadt. An diese Anfänge erinnerte CCC-Geschäftsführerin Sonja Müller zum Auftakt der Veranstaltung in einem Interview-Gespräch mit den Chefs des Geschäftsbereichs International beider Kammern, Martin Proba und Dr. Jürgen Ratzinger. Beide bekräftigten, dass es damals schon klar gewesen sei, dass die wirtschaftliche Bedeutung Chinas immens wachsen würde. Daher sei der Plan entstanden, die China-Kompetenzen beider Kammern in einem CCC zu bündeln. Martin Proba ergänzte, dass man überzeugt gewesen sei, dass man für China ein ausgeprägtes interkulturelles Know-how benötige. So biete man über das CCC Hilfe für KMU bei Dokumenten und ähnlichen verwaltungsmäßigen Erfordernissen für den Wirtschaftsaustausch; wichtig sei, dass die Unternehmen „alles Erforderliche aus einer Hand“ erhielten. Und Dr. Jürgen Ratzinger wartete mit praktischen Zahlen zur Rhein-Main-Region auf: Hier hätten sich inzwischen 770 chinesische Unternehmen niedergelassen, das Wachstum von Niederlassungen sei wirklich außergewöhnlich. Und der Zuwachs umfasse auch sehr hochwertige Firmen etwa aus dem IT-Bereich wie Ali Baba. Die Bedeutung Frankfurts als Finanzplatz werde dadurch unterstrichen, dass die Bank of China als RMB-Clearing-Bank bestellt worden sei und inzwischen vor Ort über 250 Mitarbeiter verfüge. Auch die 10-Jahres-Bilanz des CCC lese sich eindrucksvoll: Man habe 100 chinesische Delegationen empfangen, 150 Veranstaltungen durchgeführt, 4400 Anfragen beantwortet und 40 Artikel publiziert. Beide Geschäftsführer waren sich einig, dass die zurückliegenden 25 Jahre in China die Prognose zuließen, dass das China-Geschäft auch in Zukunft weiter wachsen werde und ebenso die Unternehmen weiter auf die Unterstützung des CCC angewiesen sein würden.

Frische und lebendige Eindrücke aus dem China von heute vermittelte in einer Art Keynote-Speech Stephan Scheuer, bis vor kurzem Handelsblatt-Korrespondent in China und nicht nur Lesern dieser Zeitung u.a. bekannt durch seine Video-Kolumne „Peking süß-sauer“ (http://www.handelsblatt.com/video/peking-suess-sauer/). Scheuer erinnerte: Als Xi Jinping vor fünf Jahren die Führung übernahm, sei Beijing in einem Mega-Smog versunken und das Ansehen der Partei in Korruptionsvorwürfen. Xi habe eine nachhaltige Anti-Korruptionskampagne eingeleitet, in deren Verlauf mehr als 1 Million Parteifunktionäre bestraft worden seien. Der jetzige 19. Parteikongress sei durch viel Symbolik geprägt gewesen. Während in der Vergangenheit bei der Arbeit des Ständigen Ausschusses des Politbüros der KPCh das Kollegialitätsprinzip dominiert habe, sei nunmehr Xi die Rolle einer sehr starken Führungsperson im Sinne einer Zentralisierung der Macht zugewachsen. Was die künftige wirtschaftspolitische Weichenstellung angehe, habe man sich Branchen überlegt, die man für besonders zukunftsträchtig halte und die in Zukunft besondere Förderung erfahren würden. Dies eröffne der deutschen Wirtschaft weitere Chancen, könne aber auch zu Beschränkungen des China-Engagements führen. Ein Mahnruf von Scheuer: Deutschland schaue in Sachen Innovation noch viel zu sehr primär auf Silicon Valley. Tatsächlich sei man in China in vielen Bereichen schon sehr viel weiter. Und die Dienstleistungen im online-Bereich seien ebenso wie der digitale Einkauf „meilenweit“ von der Situation in Deutschland entfernt. Das gelte ebenso für „ali-pay“ und „wechat-pay“. Die Digitalisierung erfasse in China inzwischen nahezu alle Lebensbereiche.

Abgerundet wurde der Festakt durch ein Panel zu Chancen und Herausforderungen im Chinageschäft, zu dem auf der Grundlage sehr praktischer Erfahrungen Florian Holzbrecher (Leiter Marketing SV Darmstadt 98), Christian Borchers (CEO SWJ Engineering Griesheim) und Tobias Geisler (Gf. Design-Agentur VAVA, Offenbach) sprachen. (bo)

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