Fußball als „Business“ zwischen Deutschland und China

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v.l.n.r. YU Hang (DDMC), Veranstalter Dr. Markus Kern, Christoph Daum und YANG Chen

30.11.2017, Köln – „Football Business China 2017“ war der Name einer Konferenz, zu der der Gründer des in München angesiedelten gleichnamigen Unternehmens Dr. Markus Kern Fachkreise am 30.11.2017 in den „KölnSKY-Tower“ eingeladen hatte, um durch hier tätige Akteure vor einem breiteren Publikum Erfolge und Perspektiven der fußballerischen Chinakooperation darzulegen. Einer der herausragenden Gäste: YANG Chen, erster chinesischer Spieler in der deutschen Fußball-Bundesliga (Eintracht Frankfurt 1998 – 2002).

Für sein Heimatland nahm Yang Chen zudem an der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 teil, heute ist er Teammanager des Chinesischen Zweitligisten Beijing Enterprises. Aber auch andere bekannte frühere Aktive des Fußballsports waren im „KölnSKY-Tower“ erschienen, seien es der frühere Kölner „Kult-Trainer“ Christoph Daum, der weltweit tätige Trainer Eckhard Krautzun oder auch frühere Bundesligaprofis wie Thomas Ernst (Eintracht Frankfurt), Richard Golz (Hamburger SV, SC Freiburg) oder Jörg Albertz (u.a. Hamburger SV, Glasgow Rangers und  Shanghai Shenhua). Den Kern der Konferenz bildeten unter der Moderation von Philipp Klotz aber die Ausführungen von Vertretern der Bundesligisten Borussia Dortmund (Finanzvorstand Thomas Tress), 1.FC Köln (Leiter Unternehmensentwicklung Philipp Liesenfeld), Bayern München (Vorstand International Jörg Wacker) und FC Schalke 04 (Vorstand Alexander Jobst). Wie nicht anders zu erwarten, erwiesen sich die Vereine aus Dortmund und München als besonders weit bei der „Erschließung des chinesischen Marktes“. Beide haben eigene Büros in Shanghai eingerichtet, weil man, wenn man international Erfolg haben wolle, auch vor Ort präsent sein müsse. Aus dem Münchener Blickwinkel wolle man im ersten Schritt präsent sein, im zweiten Schritt dann „monetarisieren“. Die Philosophie war eindeutig: Weil man zu den besten Fußballvereinen der Welt gehören wolle, benötige man auch die finanziellen Mittel aus einem so großen Markt wie China. Daher habe man für den internationalen Bereich entschieden, sich auf die Märkte China und USA zu fokussieren. Wie gezielt man dies angeht, zeigt sich namentlich daran, dass der bayerische Verein frühzeitig einen eigenen Vorstandsposten „Internationales“ eingerichtet hat. Auch aus Dortmunder Sicht wurde der Begriff „die Marke kapitalisieren“ ins Spiel gebracht, u.a. durch Lizenzvergabe zur Verwertung des Vereinslogo. In Schalke sieht man sich noch nicht ganz so weit, aber rechnet doch im Verlaufe der kommenden zwei Jahre mit der Eröffnung eines eigenen Büros vor Ort. Denn es stehe außer Frage, dass China und die USA die herausragenden Zukunftsmärkte seien. Besonderer Schwerpunkt der Schalker Kooperation: Die Stadt Kunshan in Jiangsu. Alle Vereine hoben übrigens ihr großes Engagement im Bereich der digitalen Medien hervor. So bespiele man – teilweise mit Hilfe von Agenturen – etwa Wechat und Tencent  ebenso wie Facebook und Twitter, Dortmund hat eine eigene Online-Seite auf chinesisch eingerichtet und Schalke hat das jüngste „Revierderby“ mit großem Einsatz in die digitalen Kanäle eingebracht und eine große chinesische Community für dieses Spiel emotionalisiert. Natürlich stehen allseits noch weitere Aktivitäten auf dem Programm, so etwa von München die gezielte Erhöhung und Unterstützung der Fanclubs in China oder der Aufbau von Universitätskontakten. Und alle bieten den Aufbau von Fußballakademien (München etwa in Qingdao und Shenzhen) an: Der chinesische Partner sorgt für Organisation und Sachmittel, der deutsche Partner bietet gegen Entgelt Trainings-Know-How an. Auf diesem Sektor ist auch Köln sehr aktiv, wobei man hier ins Auge gefasst hat, sich in seinen Aktivitäten auf die Provinz Liaoning zu konzentrieren und deshalb auch intensive Beziehungen zum dortigen Bildungsministerium pflege. Diese Kooperation habe 3 Schwerpunkte: 1. Kooperation mit dem FC Liaoning; 2. Digitale Kommunikation über den Wechat-Channel; 3. Nachwuchsschulung. Darüber hinaus prüfe man die Möglichkeit, in dem neu entstehenden Stadtgebiet rund um den neuen Flughafen Beijing vor dem Hintergrund der Beijing-Köln-Partnerschaft eine weitere Fußballakademie zu errichten. In Sachen Sponsoring konstatierten München und Dortmund, dass man ja bereits über sehr hochwertige Sponsoren verfüge. Und Dortmund könne etwa den eigenen Markenwert für Evonik dadurch unterstreichen, dass man für das Unternehmen aufgrund des fußballerischen Ansehens Türöffner sei. Schalke und Köln hoben demgegenüber ihre Bereitschaft hervor, für aufstrebende Unternehmen und Startups rasch einen hohen Bekanntheitsgrad auf dem deutschen Markt zu schaffen.

Die Konferenz bot noch verschiedene weitere Themenbereiche: So berichtete beispielsweise der in einem Video-Gespräch zugeschaltete frühere Geschäftsführer des FC Barcelona Juan Oliver über seine Erfahrungen bei der parallelen Leitung eines spanischen Zweitligaclubs und eines chinesischen Drittligaclubs. Und in einem speziell innerchinesischen weiteren Panel sprachen YU Hang (DDMC Sports, Inhaberin u.a der Vereine Chongqing und auch FC Granada), YANG Chen (Teammanager Beijing Enterprises FC) und PENG Zao (Shandong Luneng; Trainer Felix Magath) über innere Strukturen des chinesischen Fußballs und die Zielsetzungen ihrer jeweiligen Vereine.

Nicht vergessen sei ein wichtiges Thema, das bei den Zuhörern namentlich in den Pausendiskussionen eine wichtige Rolle spielte. Hier gab es große Besorgnisse, welche Auswirkungen auf das Geschäft die abgebrochene Tour der chinesischen U20 in Deutschland und die hierdurch entstandene chinaweite Verstimmung über bestimmte deutsche Reaktionen haben könnten. (bo)

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