Guangzhou – Zentrum der Innovationsregion Pearl-Fluss-Delta

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V.l.n.r: E. Hechler, Frau S. Müller, GK Fleischer, Dr. Georg und Chr. Engels

Zu einer ausgesprochen hochkarätig besetzten Veranstaltung hatte das China Competence Center der IHK Frankfurt am 15.8.2018 in den traditionsreichen Kammer-Sitz am Börsenplatz der Mainmetropole eingeladen. Das Forum „Guangzhou – Zentrum der Innovationsregion Pearl-Fluss-Delta“ reihte sich dabei würdig in die zahlreichen Veranstaltungen anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Frankfurt – Guangzhou ein.

Geschmeidig moderiert von der Leiterin des China Competence Centers, Frau Sonja Müller, eröffnete Dr. Erich W. Georg, Mitglied des Außenwirtschaftsausschuss der IHK Frankfurt, das Forum unter Hinweis sowohl auf die historische Bedeutung Guangzhous als auch auf seine aktuelle wirtschaftliche Bedeutung als eine der dynamischsten Regionen der Welt. Belege für die Dynamik seien etwa alleine 15.000 E-Busse in Shenzhen oder auch die Planung 70 neuer KKWs. Randbemerkung: Dr. Georg bezeichnete auch die Mooncakes aus Guangzhou als in China führend. Was die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen betreffe, so leide auch die deutsche Wirtschaft an dem aktuellen protektionistischen Aktionismus der USA gegenüber China.

Für die Sitzstadt Frankfurt überbrachte Stadträtin Dr. Renate Sterzel als Mitglied der Stadtregierung die Grüße von Oberbürgermeister und Magistrat. Sie erinnerte zugleich an andere Programmpunkte des partnerschaftlichen Jubiläumsprogramms wie etwa eine Skulpturenausstellung aus Guangzhou mit viel bürgerschaftlicher Resonanz (hier Artikel lesen), die Dekorierung der Straßenbahn mit Motiven beider Städte sowie eine Vielzahl von Kontakten auf allen Ebenen. Und die Beliebtheit Frankfurts in China dokumentierten auch jährlich 300.000 chinesische Übernachtungen in der Mainmetropole.

Frankfurts Generalkonsul der VR China, WANG Shunqing (von CCC-Chefin Sonja Müller als „großer Förderer der deutsch-chinesischen Beziehungen“ vorgestellt), unterstrich die Entwicklung Guangzhous im Zuge der Öffnungspolitik zu einem herausragenden Innovationszentrum. Was den Austausch mit Frankfurt betreffe, erinnerte der Generalkonsul als bekennender Fußballanhänger daran, dass auch junge Fußballspieler in diesen Austausch einbezogen seien. Dr. Georg dankte er für die klaren Worte zum Protektionismus: Gerade in diesen schwierigen Zeiten müssten China und Deutschland eng zusammenstehen. Wenig Verständnis zeigte er andererseits gegenüber neuen deutschen Investitionsrestriktionen gegenüber China.

Zu der Entwicklung der Partnerschaft sprach ausführlich Eduard Hechler, Leiter von Frankfurt International und ein Pionier, der diese Partnerschaft von der ersten Stunde an begleitete. Er erinnerte an die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Kaisersaal des Frankfurter Römers am 11. April 1988 ebenso wie an die erste Fußballreise nach Guangzhou durch die SG Höchst. Und er beschrieb, wie es in Guangzhou damals aussah: Kaum Autos, keine Handys, kein Internet. Die gesamte Kommunikation lief über Telex oder Fax. Es sei erst die 8. Partnerschaft einer deutschen Stadt mit China gewesen. Heute sei Guangzhou eine boomende Metropole, die Frankfurt sogar vom 13. Platz der Weltrangliste der Flughäfen verdrängt habe. 10.000 Frankfurter hätten inzwischen an dem Austausch teilgenommen, und seit 18 Jahren bestehe nun auch ein Schüleraustausch.

Aus Guangzhou angereist war Christian Engels, Geschäftsführer der deutschen AHK Guangzhou, der zu „Technologiestandort China – Ist Deutschland bereits abgehängt?“ referierte. Er belegte mit Daten die explosionsartige Entwicklung der chinesischen Patentanmeldungen wie er auch konstatierte, dass China Deutschland in Sachen Photovoltaik abgehängt habe. Führend sei China aktuell auch in Sachen E-Mobilität, aber hier prognostizierte Engels, dass Deutschland China bis 2021 überholt haben werde. Und noch nicht tangiert sei Deutschlands Vorrangstellung in der Robotik, denn ohne wesentliche Komponenten aus Deutschland oder den USA sei China nicht in der Lage, Hochleistungsroboter herzustellen. Und der von Engels gezogene Informationsbogen war weit: Von der Servicefunktion der AHK über Einzelaspekte von „Made in China 2025“ bis hin zum Fachkräftemangel. Sein Fazit: Deutsche Unternehmen verdienten gut in China, und das werde auch die nächsten Jahre so bleiben.

Ebenfalls viel aus Guangzhou zu berichten wusste Martin Fleischer, Deutscher Generalkonsul in Guangzhou. In seinem Amtsbezirk sei Guangdong die Boomregion, Hainan die Urlaubsdestination, Guangxi noch stark entwicklungsbedürftig und Fujian liege irgendwie dazwischen. In Guangdong seien Wirtschaftsgiganten wie Huawei, Midea und Tencent ansässig. Deutsche Unternehmen gebe es 700 in seinem Amtsbezirk, von großen wie VW-Foshan bis hin zu Mittelständlern. Generell sei man zufrieden mit Verdienst und Perspektiven. Ein großes Problem stellten allerdings die Restriktionen im Internet dar (Chinas „Great Firewall“). Dies schrecke manche Deutsche ab, mit ihren Familien nach China zu ziehen. Für Deutsche stelle sich die Situation ähnlich dar, wie wenn man den Chinesen den Zugang zu „wechat“ sperren würde. Und zum Stichwort „wechat“: Diesen Dienst von Tencent bezeichnete Fleischer aktuell als eine der revolutionärsten Veränderungen der Welt. Was den Konsularbereich betreffe, verfüge Guangzhou inzwischen über 60 Berufskonsulate, wobei die Arbeit der Generalkonsuln dadurch erschwert werde, dass China keine Honorarkonsulate akzeptiere. In seinem Konsulat gäben sich deutsche Delegationen „die Klinke in die Hand“, von der Bundeskanzlerin über Minister bis hin zu Oberbürgermeistern. Und die Zahl der erteilten Visa sei von 56.100 im Jahre 2014 auf 80.000 im Jahre 2017 angestiegen.

„Die neue Greater Bay Area“ wurde von HUANG Jianbo, Direktor des 2017 eingerichteten  Wirtschaftsbüros der Provinz Guangdong in München, vorgestellt. Die „Greater Bay Area“ bezeichnet die Verbindung der Städte Hong Kong, Macau, Guangzhou, Shenzhen, Zhuhai, Foshan, Zhongshan, Dongguan, Huizhou, Jiangmen und Zhaoqing zu einem integrierten Wirtschafts- und Geschäfts-Hub. Huang beschrieb diese Region in detaillierten Statistiken und warb für ein investives Engagement dort.

Aber auch praktischen Anschauungsunterricht zu der Entwicklung hoch innovativer und erfolgreicher Unternehmen bekamen die Zuhörer geboten. So berichtete Anders Bang, Geschäftsführer Deutschland, über den Erfolgsweg des Medizinprodukte-Herstellers Mindray zu einem führenden Global Player ebenso wie Martin Brandenburg, Managing Director EMEA (DJI), über den Weg seines Unternehmens von einem Hersteller von Hobbyartikeln zu einem Produzenten von hochkomplexen Hi-Tech-Drohnen einschließlich Lufttechnologiekomponenten und Kameras. Eines der Erfolgsrezepte: Alleine 3000 Mitarbeiter seien im FuE-Bereich tätig.

Die beiden letztgenannten waren auch Mitglieder des Panels, erweitert durch Andreas Hube (Vize-Präsident und Leiter des China Liaison Office von SAP) und Frau Dr. Sabrina Weithmann (Weithmann Consulting), mit der Fragestellung: Wie innovativ ist China wirklich? Hierzu gab es den Eindruck, dass es natürlich auch in China viele Unterschiede und keine Stereotypen gebe. Aber generell gebe es schon eine Tendenz, dass die Entscheidung in China schnell und flexibel sei, zudem verfüge man über viele innovative Talente. Und die digitale Entwicklung sei vielleicht auch deshalb so dynamisch, weil es in China „keine panische Angst wegen Datenschutz“ gebe. (bo)

Paneldiskussion – v.l.n.r. A. Hube, Frau Dr. Weithmann, Frau S. Müller, A. Bang und M. Brandenburg

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