Handelsstreit: Welche Verluste haben die USA erlitten?

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Dieser Artikel erschien zuerst auf germanCRI.

Während der eskalierenden Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA in der vergangenen Jahreshälfte hat die US-Seite mehrmals auf die großen Handelsdefizite der USA gegenüber China hingedeutet. Sie behauptete, dass die USA Verluste erlitten hätten. Doch ist das wirklich der Fall?

Der stellvertrete Handelsminister Fu Ziying, der zugleich auch der Vertreter des Ministeriums für internationale Handelsverhandlungen ist, erklärte am Dienstag in Beijing, beim Handelsdefizit handele es sich nur um den Unterschied zwischen dem Im- und Exportvolumen eines Landes und nicht um Profite bzw. Verluste. Ob die USA beim bilateralen Handel mit China Verluste erlitten hätten, das wüssten die Fabrikanten und Verbraucher selber im Herzen. In der Handelszusammenarbeit zwischen China und USA hätten die US-Firmen mehr Profite als die chinesischen Unternehmen gemacht, sagte der Vertreter.

Es ist leicht ersichtlich, dass sich China und die USA an verschiedenen Stellen der globalen Produktionskette und Wertkette befinden. Die USA besetzen die High-End-Branchen, während sich China mehr mit den Low- und Middle-End-Branchen beschäftigt. Wie noch leicht erkennbar ist, verdienen die chinesischen Firmen ihre Profite mehr durch Bearbeitung, während die US-Unternehmen bereits beim Design, der Zubehörlieferung und dem Marketing viel erwirtschaftet haben. Ein gutes Beispiel dafür sind die Smartphones von Apple, die in den USA entworfen und erforscht, in China zusammengesetzt und produziert sowie auf internationalen Märkten verkauft werden. Laut einem Forschungsbericht von Goldman Sachs 2018 würden sich die Produktionskosten von Apple-Phones um 37 Prozent erhöhen, sollten die Produktion und Zusammensetzung in die USA verlegt werden.

Familien in den USA konsumieren zahlreiche chinesische Waren mit billigem Preis und guter Qualität. Diese Waren haben die Wahlmöglichkeiten der US-Verbraucher vervielfältigt und ihre Lebenskosten gesenkt. Die reale Kaufkraft der Menschen mit niedrigen Einkommen ist damit auch gewachsen. Laut einem Forschungsergebnis des Rates für Handel zwischen den USA und China hat der chinesisch-amerikanische Handel 2015 durchschnittlich 850 US-Dollar für jede US-Familie eingespart.

(germanCRI)

1 KOMMENTAR

  1. Die globale Arbeitsteilung funktioniert besser, als es mancher Politiker wahrnimmt. Langfristige Handelsbilanzdefizite sind allerdings für alle Beteiligten problematisch. Ein bilateralen Ausgleich der Handelsbilanzungleichgewichte ist in einer wirtschaftlich vernetzten Welt illusorisch. Hierzu bedarf es globaler Ausgleichssysteme, die auch leistungsschwachen Ländern zugute kommen. Falls das nicht gelingt, wird es Handelskriege geben. Merkmale von Handelskriegen sind zunächst Abschottungen und Boykotte, danach aber wohl auch Diffamierung und Sabotage. Kein Land kann sich solchen Bedingungen unterwerfen. Folgerichtig hebt ein Handelskrieg alle Verträge, Konventionen und fixiertes oder gewohntes Recht auf. Das bedeutet auch, dass Produkt-, Patent- und Markenschutz keine höhere Beachtung findet wird als Rüstungs- bzw. Verteidigungsgüter. Deutschland ist sich dieser Gefahr bewusst und besteht deshalb auf einem Regelwerk, das allen gleichermaßen nutzt. Die USA-Wirtschaft wird in eine gefährliche Sackgasse geraten, falls sie unilaterale Vorstellungen an die Stelle der gemeinsamen Vernunft stellt. Zahlreiche imagestarken US-Marken und Massenprodukte (Software, Internetdienste) würden vom Handelskrieg hart getroffen. Der Hinweis im Beitrag auf high-end-Produkte einerseits und low- und middle-end-Produkte zeigt, dass die Stärken der US-Wirtschaft zugleich ihre Schwächen sind. Deshalb könnte Trumps Handelspolitik die US-Wirtschaft ruinieren. Mit der Inhaftierung der Huawai-Chefin könnte Trump eine machtverschiebende Kontroverse im nahen und mittleren Osten auslösen, die letztlich Israel existenziell bedrohen könnte. Daran haben insbesondere wir Deutschen kein Interesse.

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