Steigender Lebensstandard in China: Mit KFC durch die chinesische Zeitgeschichte

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Dieser Artikel erschien zuerst auf germanCRI

Als ein paar meiner Studienkolleginnen und -kollegen vergangene Woche nach Beijing kamen, entschieden wir uns, uns in demselben Restaurant wie vor dreißig Jahren zu treffen – das erst in Beijing eröffnete KFC-Restaurant, unweit des Qianmen-Tors im Zentrum der chinesischen Hauptstadt.

An einem kalten Nachmittag trafen wir uns dort ohne große Schwierigkeiten. Das Restaurant bei Qianmen sieht aus wie alle anderen KFC-Filialen. Die einzige Ausnahme ist der Eingang. Dort stehen zwei drei Meter hohe hölzerne Tafel mit der Inschrift jeweils in chinesischer und englischer Sprache. Sie lautet: 12. November 1987 Erste Filiale in China.

Vor 31 Jahren sorgte die Eröffnung des ersten Joint Venture-Restaurants Kentucky Fried Chickens (KFC) in Beijing für Schlagzeilen. Viele Menschen standen sogar zwei Stunden lang an, um die kulinarische Neuartigkeit – amerikanisches Fast Food – einmal zu erleben.

Dennoch war das KFC für damalige Durchschnittsbürger alles andere als erschwinglich. Ein Stück Hühnerfleisch kostete 2,5 Yuan, während ein Arbeiter monatlich nur 100 Yuan verdiente.

Wir saßen im Restaurant und aßen unsere gebratenen Hühnchen wie vor dreißig Jahren. Wir erinnerten uns lebhaft an unseren ersten KFC-Besuch, vor allem das stundenlange Schlangestehen vor dem Eingang des damals einzigen westlichen Lokals. Ich aß alles, was es auf der Karte gab: Hühnerfleisch, Kartoffelbrei, Brot und sogar den Krautsalat, der ehrlich gesagt ein bisschen zu süß für meinen Geschmack war. Das Essen war so gut wie damals, das ich einfach nicht widerstehen konnte.

Um elf Uhr in der Nacht verließen wir das Restaurant. Von draußen sah ich ein Fensterplakat mit der Ankündigung, dass KFC mittlerweile in mehr als 1.000 chinesischen Städten über 5.300 Filialen betreibe. Im Jahr 2010 waren es nur 3.000.

Eine einfache Mahlzeit bei KFC kostete damals den vierfachen Tageslohn eines normalen Arbeiters. Nunmehr entspricht sie lediglich einem Siebentel seines täglichen Entgelts. Da die Chinesen wohlhabender geworden sind, können ihre Augen und ihr Gaumen längst nicht mehr von einem gebratenen Hühnchen befriedigt werden. Sie wollen stattdessen die Herrlichkeiten aller köstlichen Küchen der Welt bewundern.

Ein kurzer Spaziergang entlang der Qianmen-Straße führt zu einer bunten kulinarischen Welt. Zu probieren sind hier italienische, deutsche, spanische, mexikanische und japanische Speisen, dazu gesellen sich die Restaurant-Ketten, die chinesische Spezialitäten anbieten, wie Eintopf und Peking-Ente.

Das gebratene Hühnerfleisch mag genauso gut schmecken, wie vor dreißig Jahren. Die kulinarische Auswahl ist jedoch viel größer geworden. Auch die Essgewohnheiten der Chinesen haben sich über die Jahrzehnte beträchtlich verändert.

(germanCRI)

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