Borussia Mönchengladbach: Eine Fußballreise nach China der besonderen Art

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Das Bundesligateam der Borussia im heimischen „Borussia Park“ (Foto: VfL Borussia)
Das Bundesligateam der Borussia im heimischen „Borussia Park“ (Foto: VfL Borussia)

Im Mai 2019, Mönchengladbach – Am 19.05.2019, einen Tag nach dem finalen Saisonspiel in der Fußball-Bundesliga, starten Mannschaft und Vereinsführung von Borussia Mönchengladbach eine Reise nach China. Nun sind Reisen bedeutender Fußballclubs nach China angesichts der finanziellen Verlockungen des chinesischen Marktes nichts Besonderes. Aber: Die Reise der „Gladbacher“ weicht doch deutlich von anderen Fußballreisen ab. Daher hat die Reise auch in Deutschland Resonanz selbst in großen Tageszeitungen gefunden, u. a. in der Zeitung „Die Welt“.

Bereits seit vielen Jahren haben große Vereine aus England, Italien oder auch Deutschland die finanzielle Attraktivität des riesigen chinesischen Marktes entdeckt. Lassen sich doch über Pay-TV und Merchandising erhebliche zusätzliche Gelder in die Vereinskassen spülen. Spätestens seit die chinesische Staatsführung seit 2015 zum Ziel gesetzt hat, dass auch der chinesische Fußball künftig mit der dynamischen Entwicklung Chinas in sonstigen Lebensbereichen Schritt halten soll, hat es einen zusätzlichen Schub nach China gegeben. Unter den Namen in China bekannter europäischer Vereine wurden Fußballschulen in China eröffnet, Jugendtrainer entsandt und mehrwöchige „Seminare“ für junge Spieler in Deutschland angeboten. Zahlreiche Vereinbarungen wurden zwischen Verbänden bzw. Vereinen und jeweiligen Partnern in China abgeschlossen.

Startschuss des Schulprojektes in Suqian im Oktober 2018: Repräsentanten Borussias mit erwartungsvollen Schülern (Foto: VfL Borussia)
Startschuss des Schulprojektes in Suqian im Oktober 2018: Repräsentanten Borussias mit erwartungsvollen Schülern (Foto: VfL Borussia)

Wenn trotz der vielfältigen Aktivitäten deutliche Fortschritte im chinesischen Fußball nicht erkennbar wurden, so lag das daran, dass zwar auch Angebote für junge chinesische Spieler präsentiert wurden, aber das grundlegende Problem liegt eher darin, dass es überhaupt bisher sehr wenige junge Chinesen gibt, die sich für das „Spielen“ begeistern. Treffend analysierte der vormalige chinesische Nationaltrainer Marcello Lippi: „Das Wichtigste ist, dass wir weiter in den Nachwuchs investierten. Es hat sich schon viel verbessert, aber wir brauchen verlässliche Strukturen, damit wir Talente schneller finden und an die Spitze führen.“

Und gerade eben dort, in der Breite, setzt das Chinaprojekt der Mönchengladbacher an. Um tatsächlich die fußballerische Breite in China auszubauen, hat man bereits die allgemeinbildenden Schulen im Blick. Man unterrichtet nämlich die Sportlehrer, die die Kinder tagaus/tagein im Sport unterrichten, über die Grundlagen des Fußballs. Dies geschieht in der Stadt Suqian in Jiangsu. Seit längerer Zeit sind Borussias Trainer Johannes Held und Volker Piekarski vor Ort in China und starteten in der Stadt das Fußballtraining für Schüler und die Ausbildung von Sportlehrern – die bisher selbst nie Fußball gespielt hatten – zu Fußballtrainern im Sinne der Vereinsphilosophie. Das Konzept dabei u. a.: „Wir helfen unseren Partnern konzeptionell und personell. Wir beraten die Stadt, vermitteln Basiswissen, fördern die Trainer und Spieler, die ein wichtiger Schlüssel sein können, um die Begeisterung für den Fußball in Suqian weiter anzufeuern. Gleichzeitig betreiben wir Aufklärungsarbeit, wie wichtig Teamsport für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder ist – und wie sehr es dem Charakter eines Kindes helfen kann, selbst wenn es nie zum Profi werden wird. Wir machen also nicht nur ein Sportprogramm, sondern auch kulturellen Austausch. Dass Trainer und Kinder aus Suqian nach Mönchengladbach kommen, ist daher ebenfalls ein wichtiger Baustein.“

Und, was ebenfalls herausragend ist: Dieses Projekt ist keineswegs ein bloßes Projekt eines Fußballvereins zum Ausbau seiner China-Connection. Vielmehr ist es organisch eingebunden in eine umfassende partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Städten Mönchengladbach und Suqian. Im Jahre 2016 hatten nämlich die Städte Mönchengladbach und Suqian vereinbart, in den Bereichen Wirtschaft, Sport, Bildung, Kultur und Verwaltung zukünftig eng zu kooperieren. Als es im Oktober 2018 dann zu einem weiteren Besuch des Mönchengladbacher Oberbürgermeisters Hans Wilhelm Reiners bei seinem Amtskollegen Hao Wang kam, hatte er in seiner Delegation namhafte Repräsentanten des Vereins Borussia mitgebracht und die fußballerische Komponente als einen wichtigen Baustein in der engen, umfassenden und vertrauensvollen Zusammenarbeit beider Städte charakterisiert.

Enge Zusammenarbeit zwischen Mönchengladbach und Suqian: Die beiden Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Hao Wang (Foto: Stadt Mönchengladbach)
Enge Zusammenarbeit zwischen Mönchengladbach und Suqian: Die beiden Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und Hao Wang (Foto: Stadt Mönchengladbach)

Und die Reise des Oberbürgermeisters wurde gleichzeitig zum Anlass genommen, das Gesicht des Vereins in China weiter zu profilieren und auch anderen Städten in China die Gelegenheit zu geben, von dem Suqian-Projekt zu profitieren. In seiner Anwesenheit wurde mit einer symbolischen Geste durch Vize-Präsident Rainer Bonhof, Geschäftsführer Stephan Schippers, Sportdirektor Max Eberl und Peter Hambüchen (Leiter internationale Geschäftsentwicklung), am 16.10.2018 der Startschuss für die weltweit erste Auslandsniederlassung der „Fohlen“ (traditioneller Name für die Gladbacher aufgrund ihres ungestümen Angriffsfußballs) gegeben, in einem gläsernen Hochhaus unweit des nationalen Flughafens von Shanghai, Hongqiao. Von hier aus koordinieren nunmehr unter dem Namen „Borussia Mönchengladbach (Shanghai) Sport Development Ltd.“ Peter Hambüchen, Borussias Abteilungsleiter für internationale Geschäftsentwicklung, und Borussias Büro-Leiter vor Ort, Martin Thiess, das Geschehen in China. Um noch einmal den Mönchengladbacher Oberbürgermeister zu Worte kommen zu lassen: „Die Freundschaft zwischen den Städten füllt sich immer mehr mit Leben. Neben der Wirtschafts- und Schulpartnerschaft rundet Borussias Projekt das Bild ab. Einen besseren Botschafter kann man sich für die Stadt nicht wünschen. Von daher freut mich diese neue, sympathische Präsenz von Borussia in China“.

Eröffnung des Borussia Büros in Shanghai, v.l.n.r. Martin Thiess, DFL-Repräsentant Kevin Sim (DFL Asia), David Bongartz (Wirtschaftsförderung Mönchengladbach), OB Hans Wilhelm Reiners, Vize-Präsident Rainer Bonhof, Sportdirektor Max Eberl, Peter Hambüchen und Geschäftsführer Stephan Schippers (Foto: VfL Borussia)
Eröffnung des Borussia Büros in Shanghai, v.l.n.r. Martin Thiess, DFL-Repräsentant Kevin Sim (DFL Asia), David Bongartz (Wirtschaftsförderung Mönchengladbach), OB Hans Wilhelm Reiners, Vize-Präsident Rainer Bonhof, Sportdirektor Max Eberl, Peter Hambüchen und Geschäftsführer Stephan Schippers (Foto: VfL Borussia)

Es ist also in der Tat ein ganz besonderer Zusammenhang, in dem die Borussen in den nächsten Tagen ihre Chinareise starten. Bei Ankunft in China fällt der Startschuss des Programms in Guangzhou, also nicht nur in der fußballbegeistertsten chinesischen Provinz, sondern zugleich der Provinz, aus dem die Mehrheit der chinesischen „Fohlen-Fans“ stammt. Der Zeitplan sieht nach Ankunft der Mannschaft am 20. Mai in Guangzhou unter anderem ein öffentliches Training am 21. Mai und ein Spiel gegen R&F Guangzhou am 22. Mai (Anstoß 20 Uhr lokale Zeit) vor. Am 23. Mai wird die Mannschaft nach Shanghai weiterreisen um dort am 24. und 25. Mai mit einem Besuch des Borussia-Büros und weiteren Terminen auf die Projekte der Fohlen in China hinzuweisen. Am 26. Mai wird der Borussia-Tross dann wieder nach Deutschland zurückkehren.

Stv. GDCV-Vorsitzender Dr. Michael Borchmann(2.v.l.) informierte sich bei Borussia Mönchengladbach persönlich über das China-Projekt, links von ihm Vize-Präsident und Ex-Weltmeister Rainer Bonhof, rechts von ihm Unternehmer Michael Dobersek und Geschäftsführer Stephan Schippers
Stv. GDCV-Vorsitzender Dr. Michael Borchmann(2.v.l.) informierte sich bei Borussia Mönchengladbach persönlich über das China-Projekt, links von ihm Vize-Präsident und Ex-Weltmeister Rainer Bonhof, rechts von ihm Unternehmer Michael Dobersek und Geschäftsführer Stephan Schippers

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