Chinesisches Generalkonsulat Frankfurt: „Zhejiang, China: Eine neue Vision für die Entwicklung“

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26.11.2019, Frankfurt a.M. – „Zhejiang, China: Eine neue Vision für die Entwicklung“ – Unter dem Titel der jüngsten deutschsprachigen Publikation von Kolumnen von Staats- und Parteichef XI Jinping aus seiner Zeit als Parteisekretär in Zhejiang 2003 bis 2007 hatte der Generalkonsul der VR China in Frankfurt a.M., SUN Congbin, am 26.11.2019 Chinaexperten aus der Region zu einem vertieften Austausch über das Buch in das Generalkonsulat eingeladen.

Das genannte Buch ist eine Sammlung von 232 Beiträgen, die XI Jinping in seiner Zeit in Zhejiang für die Kolumne „Neue Gedanken am Zhijiang“ der Zhejiang Daily verfasste. Viele seiner damaligen Gedanken sind inzwischen als Sozialismus chinesischer Prägung zunächst in das Programm der KPCh und anschließend auch in die Verfassung der VR China eingeflossen. Seine Beweggründe, die deutschsprachige Publikation des Werkes zum Anlass zu nehmen, ausgewiesene Chinakenner zu persönlichen Statements und Kommentaren zu den Kolumnen einzuladen, erläuterte GK Sun in seiner Begrüßung der Gäste. Das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Ländern sei die Grundlage für freundschaftliche Beziehungen. Und dieses erlange man nicht durch zwei Reisen nach China. Das Buch liefere einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis dessen, was unter dem „Sozialismus chinesischer Prägung“ zu verstehen sei. Die Entwicklung dieses Leitgedankens wurzele in großem Maße darin, was Xi damals in Zhejiang geäußert habe. Die Themen seien in den einzelnen Kolumnen kurz und prägnant behandelt. Die Ausführungen seien bodenständig und zielgerichtet. Und schließlich seien sie von großer Weisheit und Voraussicht geprägt, wie zum Beispiel zum Umweltschutz, der inzwischen durch den 19. Parteitag der KPCh zu einem zentralen Ziel erhoben worden sei.

GK Sun begrüßt die Gäste

Den Auftakt unter den Rednern machte – nach der Einspielung einer Botschaft des gerade in China weilenden Mannheimer Ex-Bürgermeisters Norbert Egger – Professor Dr. Achim Mittag, Sinologe an der Universität Tübingen. Mittag bezeichnete das Werk als ein Kaleidoskop des im Umbruch befindlichen Zhejiang. Es dokumentiere die Entwicklung Zhejiangs zu einer Musterprovinz. Mittag sah viele Parallelen zu seiner schwäbischen Heimat und schilderte ausführlich seine eigenen Reisen nach China und die damit verbundenen kulturellen Eindrücke.

Vom China-Kompetenz-Zentrum der Management Schule der Universität Kassel war Professor Dr. Gerlinde Gild angereist. Sie analysierte die kulturbezogenen Kolumen auf den interkulturellen Stellenwert. Als wichtiges Problem machte sie die Stereotypen im Chinabild deutscher Medien aus. Vor allem werde der essentielle Wandel in China seit den Anfangstagen der Gründung der Volksrepublik überhaupt nicht wahrgenommen.

Der frühere chinesische Nationaltrainer Klaus Schlappner zieht Parallelen zwischen Fußball und Politik

Besonderer Aufmerksamkeit konnte sich anschließend Klaus Schlappner sicher sein, der frühere Trainer der chinesischen Fußball-Nationalmannschaft und in China immer noch mit einem Kultstatus versehen. Schlappner unterstrich seine große Neugierde für China. Xis Buch mache keine starren Vorgaben. Und dies passe in die Zeit und führe in die Zukunft. Kritik sei immer mit Verbesserungsvorschlägen verbunden. Und Schlappner verglich eine Reihe von Aussagen Xis mit der Arbeit eines Fußballtrainers. Wenn Xi mehrere Augen bei der Auswahl von Kadern verlange, so gelte dies auch für ein Trainerteam bei der Kaderplanung. Und auch beim Fußball führe die von Xi geforderte Beharrlichkeit zum Erfolg. Und – so Schlappner – das Buch sei jedenfalls sehr lesenswert.

MDgt. a.D. Dr. Michael Borchmann sah in dem Buch zahlreiche Hinweise zu den beiden Fragen, wie die zukünftige Entwicklung Chinas aussehen solle und welche Antworten China für die zentralen Zukunftsfragen national und global bereit halte. Und angesprochen worden seien bereits 2003 bis 2007 heutige Kernthemen wie umweltschonende Entwicklung, Rechtsstaatlichkeit, Öffnung sowie Beseitigung der Armut und Schaffung von Wohlstand der chinesischen Bevölkerung im Allgemeinen. Besonders aufgegriffen wurden von Borchmann die Komplexe Rechtsstaat, Umweltschutz und saubere Verwaltung. Dies könne man auch als Europäer alles ohne Zögern unterschreiben. Gerade im Bereich Rechtsstaatlichkeit sei es an der Zeit, dass auch hierzulande eine Wahrnehmung der rechtsstaatlichen Entwicklung in China an die Stelle dumpfer Verunglimpfungen trete. Und auch in Sachen Integrität von Verwaltung und Politik könne man manches lesen, was angesichts der zunehmenden Politikverdrossenheit in Deutschland sehr beherzigenswert sei.

Dr. Michael Borchmann lobt die Ausführungen Xis zur Rechtsstaatlichkeit

ZHENG Donglin, Geschäftsführer der ICBC (Industrial and Commercial Bank of China)in Frankfurt, lobte die kurzen, pointierten Texte in den Kolumnen, die gleichwohl viel Aussagekraft aufwiesen. Allerorten komme die Arbeit am Wohlergehen des Volkes zum Ausdruck. Das Volk müsse im Fokus des staatlichen Handelns stehen. Darauf müssten gerade auch die Kader achten. Insgesamt lege Xi ein wissenschaftliches Konzept eines grünen Wachstums vor.

Seitens der China Agricultural Bank zeigte sich deren Managing Director, Dr. Peter Regnery, beeindruckt davon, dass Xi bereits vor 15 Jahren Dinge angesprochen habe, die in der Gegenwart so sehr im Mittelpunkt stünden. Er zitierte in diesem Zusammenhang zahlreiche Kolumnen Xis zum Thema Umweltschutz. Wesentlich sei vor allem aber auch die Forderung Xis, den Mensch in den Mittelpunkt allen staatlichen Handelns zu stellen.

Eingeladen hatte GK Sun zwei Hessen, die in China zu Ehrenbürgern ernannt wurden: Armin Klein (früherer Landtagsabgeordneter) als Ehrenbürger von Nanchang (Jiangxi) und Jürgen Scheuermann als Ehrenbürger von Taizhou (Zhejiang)

Nach Ausführungen von Frau GU Yuhua, Generalsekretärin des Peking Opern Clubs Deutschland, zum Engagement ihrer Vereinigung für das interkulturelle Verständnis kam mit Jürgen Scheuermann ein ausgesprochener „Aktivist“ der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit zu Wort. Scheuermann, früherer Stadtverordnetenvorsteher von Hanau, leitet in seiner Heimatstadt nicht nur eine Schule mit großem Chinaengagement, sondern ist auch Vorsitzender des Freundschaftsvereins mit Taizhou. Er unterstrich, dass die bilateralen Beziehungen eine phantastische Entwicklung genommen hätten: „Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass wir heute hier sitzen und über dieses Buch reden?“ Aufgabe sei es, die Leute aus beiden Ländern zusammenzubringen, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Harmonie sei ein zentraler Begriff des vorliegenden Buches. Und wenn Xi von dem Beamten als Diener spreche, fühle er sich an die Maßstäbe setzende Staatsraison Friedrichs des Großen erinnert. Xi habe den Menschen im Auge, und dies sei wichtig. Scheuermann nahm auch Bezug auf die Partnerstadt Hanaus, Taizhou. Dies sei eine grüne Stadt, die begeistere und zeige, dass in China Visionen umgesetzt würden. Solche Visionen würden auch in Deutschland dringend benötigt. Scheuermanns Appell: „Bauen wir Brücken und betreiben wir vor allem auch intensiven Jugendaustausch“.

Jürgen Scheuermann wirbt für einen intensiven Jugendaustausch mit China

Felix Kurz, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für deutsch-chinesische Freundschaft Mannheim/Rhein-Neckar, erinnerte an seine 30jährige Journalistentätigkeit, u.a. beim ‚Spiegel‘. Als Journalist fehle ihm vielfach das Verständnis dafür, in welcher Art und Weise heute vielfach über China berichtet würde. Aus Xis Buch konzentrierte sich Kurz vor allem auf das Verhältnis von Beamten zum Volk. Es beeindrucke ihn, wenn Xi fordere, dass die Kader, insbesondere die leitenden Kader, sich der Kontrolle durch die öffentliche Meinung stellen müssten. Das, was Xi hier ausführe, könne man auch den deutschen führenden staatlichen Funktionsträgern nur wünschen. Und wenn Xi davon spreche, dass die höchste Tugend eines Beamten sein Unternehmensgeist sei, so Kurz mit einem nachhaltigen Schmunzeln, dann frage er sich, ob es eine solche Botschaft auch in deutschen Amtsstuben gebe.

Felix Kurz wünscht sich Initiative und Unternehmensgeist auch in deutsche Amtsstuben

Den Abschluss der Vortragsrunde machte Bernd Dürr, 2. Vorsitzender der Frankfurter Gesellschaft für deutsch-chinesische Freundschaft. Er berichtete über seine persönlichen Eindrücke bei Besuchen in Zhejiang. Das Buch vermittle wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung Zhejiangs, vermittle ein umfassendes Gesamtbild. Hervorzuheben seien Xis Postulate des ständigen Lernens und des Aufbaus von Vertrauenswürdigkeit.

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